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Wenn der Turbo stockt

von Saleh Mati am 6. Mai 2026

Hürth ringt um Kontrolle beim neuen Bauturbo

Ein Gesetz, das schneller bauen soll, stellt Hürth vor eine grundsätzliche Frage: Wie viel Entscheidungsmacht teilen sich Politik und Verwaltung künftig. Im Hauptausschuss zeigte sich schnell, dass der neue § 246e BauGB Chancen eröffnet, aber auch die politische Kontrolle verschiebt.

Die Beschlussvorlage beschreibt die neue Rechtslage klar. Der „Bauturbo“ erlaubt weitreichende Abweichungen vom Bauplanungsrecht, um Wohnraum schneller zu schaffen. Dafür braucht es die aktive Zustimmung der Gemeinde nach § 36a BauGB. Genau diese Zustimmung will Hürth künftig teilweise an die Verwaltung übertragen. Bürgermeister Dirk Breuer stellte gleich zu Beginn heraus, was das bedeutet: „Entscheidungen, die bisher im Ausschuss lagen, verlagert die Politik in die Verwaltung.“ Das beschleunigt Verfahren, schwächt aber die direkte Kontrolle der gewählten Vertreter.

Mehr Tempo, weniger Kontrolle: Was der Bauturbo in Hürth verändert

Die neuen Regeln greifen tief in bestehende Planungsinstrumente ein. Befreiungen von Bebauungsplänen lassen sich künftig leichter erteilen. Aufstockungen, Anbauten und Bauen in zweiter Reihe rücken schneller in den Bereich des Möglichen. Auch im unbeplanten Innenbereich lockert der Gesetzgeber das Einfügungsgebot. Dirk Breuer betonte, dass diese Spielräume verantwortungsvoll genutzt werden müssen und erinnerte daran, dass Umweltgutachten, Naturschutzprüfungen und Öffentlichkeitsbeteiligung weiterhin gelten.

Wohnen in Hürth Efferen

Trotz der neuen Möglichkeiten blieb eine entscheidende Frage unbeantwortet: Wie viel Wohnraum in Hürth schafft der Bauturbo tatsächlich schneller. Die Vorlage liefert keine Schätzung, und auch in der Debatte stellte niemand diese Frage. Der Begriff „Turbo“ klingt nach Beschleunigung, doch ob er in Hürth wirklich zündet, bleibt offen.

Stephan Renner (SPD) zeigte sich zuversichtlich: „Wir versprechen uns, dass die Schaffung von dringend benötigtem Wohnraum erleichtert wird.“ Gleichzeitig bat er darum, dass die Verwaltung über kleinere Vorhaben unter einem halben Hektar regelmäßig im Ausschuss berichtet. Breuer stimmte dem zu.

Aus der CDU kam ein wachsamer Ton. Herr Klugius kündigte an, die Auswirkungen genau zu beobachten. „Es gibt keinen Persilschein, insbesondere für den Außenbereich“, sagte er. Die CDU-Fraktion will die Entwicklung eng begleiten.

Fazit

Der Bauturbo verschiebt Zuständigkeiten, schafft neue Spielräume und fordert Vertrauen. CDU, SPD und Grüne geben der Verwaltung dieses Vertrauen, doch der Kontrollverlust bleibt ein Risiko. Ob der Turbo wirklich Geschwindigkeit bringt oder ob er eher neue Konflikte erzeugt, zeigt sich erst in der Praxis. Bis dahin bleibt die Frage bestehen, ob Hürth das richtige Gleichgewicht zwischen Tempo und demokratischer Kontrolle findet.

Über Saleh Mati

Saleh Mati, geb. 1966 in Köln. Seit 1966 wohnhaft in Hürth. Mitglied im Stadtrat seit 2004 Alle Einträge von Saleh Mati

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