Wohnraum ist in Hürth knapp und teuer

von Saleh Mati am 31. Mai 2017

Die Arbeitsgemeinschaft 60 + der SPD diskutiert zu „Wohnen in Hürth“

Die AG 60 plus der SPD lud unter der Leitung von Margit Reisewitz zur Diskussion „Wohnen in Hürth –bedarfsgerecht und bezahlbar- für alle Generationen“ ein. Als Referenten standen Manfred Siry, leitender Stadtbaudirektor und Achim Leirich, Geschäftsführer der GWG Rhein-Erft Rede und Antwort.

Herr Siry gab mit vielen Zahlen einen Überblick über die aktuelle Situation.

Der Stadtbaudirektor zeigte auf, dass in den letzten 5 Jahren die Bevölkerung in Hürth um 8,5 % zugenommen hat. Das Land sieht für unsere Stadt bis 2025 ein starkes Wachstum von 31 % auf geschätzte 80000 Einwohner. Das beschlossene Wohnbaulandkonzept tritt diesem Zuzug entgegen. Dabei soll der neu zu schaffende Wohnraum begrenzt werden. Damit strebt die Politik ein Wachstum der Bevölkerung in Hürth bis 2030 nur um 10 % an. So wird für 10000 – 15000 mögliche Neubürger kein Wohnraum geschaffen. Daher werden viele Wohnungssuchende in die benachbarten Kommunen ausweichen.

Die Politik beabsichtigt mit dem Wohnbaulandkonzept weniger Infrastruktur bauen und unterhalten zu müssen und damit die Kosten für die Stadt zu begrenzen. Die Verantwortlichen in der Stadt und die Politiker befürchteten, dass zu viele Neubürger für die Stadt Folgekosten durch den Bau und Betrieb von Kindertagesstätten und Schulen verursachen.

Es bleibt die Frage: „Kann dieses Konzept des begrenzten Zuzugs nach Hürth aufrecht erhalten bleiben?“

 

Bezahlbarer Wohnraum bleibt Mangelware in Hürth

Zudem ist es für viele Hürther nicht ausreichend, Wohnraum zur Verfügung zu stellen, dieser muss auch bezahlbar sein. Bezahlbarer Wohnraum ist definiert mit Ausgaben von höchstens 30 % des Nettogehalts für Miete. Danach müsste das Nettogehalt bei einer Miete von 1000 Euro inklusive Nebenkosten bei 3000 Euro liegen. Diese Zahlen verdeutlichen, dass für viele Familien der Wohnraum in unserer Stadt nicht mehr bezahlbar ist.

Der Erwerb einer eigenen Immobilie bleibt für viele Familien ein Traum. Bei aktuell 400000 – 600000 Euro für ein Haus ist bei vielen Menschen die Grenze der Belastbarkeit überschritten.

Bei dem Vortrag dieser Zahlen empörte sich ein Zuschauer und stellte die Frage, für wen diese 500000 Euro teuren Häuser gebaut werden. Weiter führte er aus, dass in seinem Fall die ganze Familie zusammengelegt hat, um der Tochter eine Eigentumswohnung in Hürth zu finanzieren. Seitens Herr Siry kam die Antwort, dass die Bauträger selber aussagen, dass ihnen bewusst sei, dass sich nur 10 % der Haushalte diese Häuser leisten könnten. Aber solange die Nachfrage vorhanden sei, solange würde dieses Klientel bedient.

Anschließend diskutierten die Bürger mit den Referenten, welche Möglichkeiten die Stadt hat, um diesem Trend entgegen zu wirken. Dabei forderten die Bürger, dass die Stadt ihre Grundstücke mit Bedingungen an einen Bauträger verkaufen sollte. Eine Auflage könnte sein, dass der Bauträger sich verpflichtet ausreichend Mehrfamilienhäuser zu bauen oder einen bestimmten Anteil von öffentlich gefördertem Wohnraum zu schaffen. Andere Bürger wünschten sich direkt ein Grundstück von der Stadt erwerben zu können. Hier wies Herr Siry auf die geringe Anzahl von Grundstücken im Besitz der Stadt Hürth hin.

Auch hier bleibt die Frage, was kann die Stadt unternehmen, damit Wohnraum wieder bezahlbar wird?

 

Anschließend berichtete Achim Leirich, der Geschäftsführer der GWG Rhein-Erft

Herr Leirich zeigte auf, wo in Hürth öffentlich geförderter Wohnraum entsteht. Dabei nannte er die Drafenstraße, die Krankenhausstraße und die Fritz-Räcke Straße. Hier stehen bald 50 Sozialwohnungen für den Wohnungsmarkt zur Verfügung.

In Hürth gibt es aktuell 1395 öffentlich geförderte Wohnungen. Davon befinden sich allein in Hürth-Hermülheim 817 und in Efferen 253 öffentlich geförderte Wohnungen.

Weiter warnte er vor Monostrukturen in den neu zu planenden Wohngebieten. Falls die Verwaltung überwiegend Einfamilienhäuser in Neubaugebieten plant, dann kommt es dort nach Jahren zu einer Überalterung. Ein Gemisch aus Mehrfamilienhäusern und Einfamilienhäusern vermeidet solche Entwicklungen.

Eine weitere große Herausforderung für die Stadt wird sein, Wohnraum für ältere Bürger zu schaffen. Viele ältere Bürger können sich im Alter den Unterhalt des Hauses nicht mehr leisten oder sind damit überfordert. Das betreute Wohnen stellt häufig eine Alternative dar. Daher ist das Angebot für betreutes Wohnen dringend auszubauen.

Vor dem Hintergrund des knappen Wohnraums sollten Verwaltung und Politik bei ihren Planungen für ein neu auszuweisendes Wohngebiet achtsam umgehen.

Es stellt sich die Frage, wie soll die zukünftige Wohnungspolitik in Hürth aussehen und welche Schwerpunkte sollen gesetzt werden?

Über Saleh Mati

Saleh Mati, geb. 1966 in Köln. Seit 1966 wohnhaft in Hürth. Mitglied im Stadtrat seit 2004 Alle Einträge von Saleh Mati

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