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Ein Verfahren, das Vertrauen kostet und eine Debatte, die Hürth dringend führen muss

von Saleh Mati am 29. März 2026

Kommentar von Saleh Mati

Die Diskussion um das Sporthallensanierungskonzept am Albert Schweitzer Gymnasium spitzt sich weiter zu. Wieder korrigiert die Verwaltung zentrale Aussagen, wieder fehlt die Abstimmung mit der Schule. Bei aller berechtigten Kritik lohnt sich jedoch ein genauer Blick darauf, wer in Hürth Verantwortung übernimmt. Zudem lohnt sich ein Blick, wer Forderungen stellt, ohne die finanziellen Folgen zu beachten.

Ein Konzept voller Wendungen und ein Haushalt unter Druck

Seit Monaten sucht die Stadt Hürth nach einer tragfähigen Lösung für die Sanierung und den Neubau der Sporthallen am ASG. Ende Februar stellte die Verwaltung ein Konzept vor, das fünf zusätzliche Unterrichtsräume im Bestand schaffen sollte. Weitere fünf sollten durch Umbauten oder modulare Bauweise entstehen. Damit entfiele die teure Variante, die Dreifachhalle einzugraben und Räume darüber zu errichten. Die Verwaltung bezifferte die Einsparung auf rund drei Millionen Euro. In einer Zeit mit vielen wirtschaftlichen Herausforderungen der richtige Schritt, um die zukünftige Gestaltungsfähigkeit unserer Stadt zu sichern.

Kurz vor der Sitzung des Bildungsausschusses am 18. März folgte jedoch die nächste Kehrtwende. Die Verwaltung musste einräumen, dass es entgegen früherer Aussagen kein Einvernehmen mit der Schulleitung über den Verzicht auf zusätzliche Räume gibt. Der Kölner Stadt Anzeiger berichtete, dass die Verwaltung ihre Darstellung zurückzog, nachdem klar wurde, dass die Schulleitung den Plänen nicht zugestimmt hatte. Schulleiter Thorsten Jürgensen Englm bekräftigte, dass das ASG durch G9 dauerhaft elf zusätzliche Klassen- und Fachräume benötigt. Diesen Bedarf bestätigt der Schulentwicklungsplan.

Unausgereifte Konzepte, hektische Korrekturen und fehlende Abstimmung beschädigen Vertrauen. Die Schule fordert Klarheit, die Politik erwartet Verlässlichkeit, und viele Bürgerinnen und Bürger fragen sich, ob die Stadt dieses Verfahren noch steuert.

Kritik ist nötig, aber nicht nur an der Verwaltung

Neben den Fehlern der Verwaltung gehört jedoch auch die politische Ebene in den Blick, denn dort entstehen Forderungen, die die Lage nicht einfacher machen. Während die Verwaltung für ihre Kommunikationsfehler zurecht Kritik erhält, lohnt sich ein Blick auf die politische Ebene. Besonders die SPD kritisiert fordert wiederholt zusätzliche Räume und wirft der Verwaltung vor, zu wenig auf die Belange der Schule zu achten. Gleichzeitig stellte dieselbe SPD in den Haushaltsberatungen Anträge, die den Haushalt massiv gefährdet hätten:

•            ein kommunales ÖPNV-Sozial- und Jugendticket

•            die kostenfreie Nutzung des Stadtbusses für Hürth-Pass-Inhaberinnen und -Inhaber

•            die Reaktivierung des Solebeckens im Freizeitbad De Bütt, obwohl dies viele Millionen verschlingen und hohe Unterhaltskosten verursachen würde

•            zusätzliche Grillstellen, digitale Infrastruktur, neue Treffpunkte und weitere freiwillige Leistungen

Gerade die Reaktivierung des Solebeckens würde nicht nur Millionen kosten, sondern auch bestehende Schadensersatzansprüche riskieren. Trotzdem zeigt die SPD wenig Verständnis für die Verwaltung beim Sporthallenkonzept drei Millionen Euro einzusparen, in einer Haushaltslage, die bereits angespannt ist. Solche Forderungen gefährden am Ende genau die freiwilligen Leistungen, die Hürth heute noch anbieten kann: Geschwisterrabatt in Kitas, Musikschule, Schwimmbad, soziale Infrastruktur.

Es ist nachvollziehbar, dass die Schule mehr Räume braucht. Aber es ist ebenso notwendig, dass die Verwaltung Einsparmöglichkeiten prüft und die finanzielle Stabilität der Stadt schützt. Wer alles fordert, riskiert am Ende, dass Hürth weniger leisten kann.

Fazit und Ausblick

Die Verwaltung muss ihre Kommunikation dringend verbessern und die Schule eng einbinden. Gleichzeitig braucht Hürth eine ehrliche Debatte darüber, was wünschenswert ist und was finanzierbar bleibt. Ende April zeigt sich im Planungsausschuss, ob Verwaltung und Schule eine gemeinsame Linie finden. Entscheidend wird sein, dass Entscheidungen künftig abgestimmt, nachvollziehbar und haushaltsfest getroffen werden. Politische Profilierung hilft in dieser Lage niemandem. Was zählt, ist ein gemeinsamer, lösungsorientierter Weg. Für die Schülerinnen und Schüler am ASG und für alle Hürtherinnen und Hürther. Hürth braucht jetzt weniger Schlagzeilen und mehr Verlässlichkeit.

Über Saleh Mati

Saleh Mati, geb. 1966 in Köln. Seit 1966 wohnhaft in Hürth. Mitglied im Stadtrat seit 2004 Alle Einträge von Saleh Mati

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