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Hüpper wächst weiter

von Saleh Mati am 30. März 2026

Ausweitung auf das Gewerbegebiet Nordost für Hürth

Der On-Demand-Verkehr in Hürth steht vor seinem nächsten Entwicklungsschritt. Mit der geplanten Erweiterung des Hüppers auf das Gewerbegebiet Nordost verändert sich das Mobilitätsangebot in der Stadt erneut. Dabei gewinnen Fragen nach Kosten, Nutzen und Zukunftsfähigkeit an Aktualität.

Ein flexibles Angebot erreicht neue Zielgruppen

Der Hüpper ist längst mehr als ein Experiment. Seit 2021 ergänzt er den öffentlichen Nahverkehr in Hürth und entwickelte sich zu einem festen Bestandteil der Mobilität. Die Stadtwerke verzeichnen seit Jahren stabile bis steigende Fahrgastzahlen. 2024 wurden monatlich zwischen 1.600 und 1.800 Fahrgäste befördert, im November sogar 1.841. Dabei die Kundenzufriedenheit für den Dienst konstant hoch. Dies belegen Umfragen durch die Stadtwerke Hürth.

Mit der geplanten Ausweitung auf das Gewerbegebiet Nordost reagiert die Stadt auf konkrete Nachfragen der dort ansässigen Unternehmen. Laut Mitteilungsvorlage vom 26.03.2026 sollen 101 neue virtuelle Haltestellen entstehen, verteilt auf Straßen wie An der Hasenkaule, Daimlerstraße, Dieselstraße oder Siemensstraße. Die Stadtwerke erwarten dafür lediglich rund 5.000 Euro Mehrkosten pro Jahr. Ein vergleichsweiser geringer Betrag, den die Stadtwerke aus dem Stadtbusbetrieb und Jobticket-Einnahmen decken möchte.

Zwischen Politik und Praxis: Zustimmung, Erwartungen und offene Fragen

Die politische Unterstützung ist breit. CDU und Grüne sind starke Unterstützer des Hüpper Angebots. Dementsprechend lassen sich bei beiden Parteien Pressemitteilungen auf deren Homepage finden, die das erweiterte ÖPNV-Angebot befürworten.

Die CDU begrüßt die Ausweitung ausdrücklich und sieht darin eine „wichtige Weiterentwicklung des Hüpper-Systems“ sowie eine Chance, schlecht angebundene Bereiche wie den oberen Teil der Trierer Straße in Alt-Hürth ebenfalls anzuschließen.

Stadtbus und ergänzend Hüpper für ein gutes ÖPNV-Angebot in Hürth

Auch die Grünen sprechen von einer „kundenfreundlichen Ergänzung“ und betonen, dass der Hüpper in diesem Gebiet den kaum genutzten Regionalbus 935 ersetzen könne.

Wie nachhaltig ist das Modell? Ein Blick auf Kosten und Nutzung

Der Hüpper ist beliebt, aber teuer. Die Stadtwerke müssen jährlich rund 400.000 Euro für den Betrieb aufbringen, nachdem die Landesförderung Ende 2024 auslief. Der Kostendeckungsgrad liegt bei nur 3,6 Prozent, ein Wert, der im ÖPNV zwar nicht ungewöhnlich, aber dennoch den enormen Zuschuss aus öffentlichen Geldern verdeutlicht.

Gleichzeitig gilt es die Nutzung des Hüppers genauer zu betrachten:

• Viele Fahrten ersetzen klassische Taxifahrten, besonders nachts zwischen 23:30 und 4:00 Uhr, wo die Nachfrage 2025 deutlich gestiegen ist .

• Über die Hälfte der Fahrten sind Einzelfahrten, obwohl Mehrpersonenfahrten nach den Vorlagen der Stadtwerke Hürth zunehmen.

• Die Verteilung der Fahrten über das Stadtgebiet ist seit der Übernahme des AST-Angebots breiter geworden.

Die zentrale Frage bleibt: Kann ein defizitärer ÖPNV ein solches Zusatzangebot dauerhaft finanzieren?

Die Stadtwerke argumentieren, dass der Hüpper kein Ersatz für den Linienverkehr ist, sondern ein ergänzendes Angebot für Zeiten und Gebiete mit geringer Nachfrage. Gleichzeitig zeigen die Vorlagen, dass Einsparungen im Linienverkehr nur begrenzt möglich sind.

Ausblick: Wie geht es weiter mit dem Hüpper?

Trotz dieser Herausforderungen bleibt der Hüpper ein Angebot, das viele Menschen in Hürth nicht mehr missen möchten. Die Ausweitung auf das Gewerbegebiet Nordost ist ein weiterer Schritt in Richtung eines flexibleren Nahverkehrs. Doch die langfristige Entwicklung hängt von mehreren Faktoren ab:

• Wie entwickeln sich die Fahrgastzahlen nach der Gebietserweiterung?

• Welche Rolle spielt der Hüpper im Zusammenspiel mit Stadtbus, Bahn und Regionalverkehr?

• Wie lassen sich Kosten und Nutzen dauerhaft in Balance bringen? Lassen sich die Kosten für ein Angebot, dass in Teilen einem Taxi gleicht, gerechtfertigten?

Die Stadtwerke setzen auf ein integriertes Mobilitätsmanagement, das Carsharing, Bikesharing und den Hüpper in einer App zusammenführt.

Der Hüpper bleibt damit ein spannendes Mobilitätsprojekt, das Hürth flexibler macht, aber auch finanzielle und planerische Herausforderungen mit sich bringt. Die kommenden Monate zeigen, ob die weitere Ausweitung des Hüpper Angebots der richtige Schritt ist oder die Kosten für Bahn, Bus und Hüpper zukünftig stärker in den Fokus rücken. Gerade jetzt, wo diese Fragen im Raum stehen, sind Erfahrungen und Rückmeldungen aus der Bevölkerung wertvoller denn je. Damit Hürth die richtigen Entscheidungen für die Zukunft seines Nahverkehrs treffen kann.

Über Saleh Mati

Saleh Mati, geb. 1966 in Köln. Seit 1966 wohnhaft in Hürth. Mitglied im Stadtrat seit 2004 Alle Einträge von Saleh Mati

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