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Warum Hürth riskieren könnte, seine wichtigsten Vermieter zu verlieren?

von Saleh Mati am 9. Februar 2026

Bezahlbarer Wohnraum ist wichtig, doch der richtige Weg ist entscheidend

Viele Menschen in Hürth investieren in Wohnraum, um im Alter abgesichert zu sein. Doch neue politische Forderungen könnten genau diese Form der Vorsorge schwächen und damit den Wohnungsmarkt zusätzlich belasten.

Wer in Hürth eine Wohnung vermietet, tut das oft nicht als Großinvestor, sondern als Privatperson. Viele Eigentümer haben über Jahrzehnte gespart, Kredite abbezahlt und sich mit viel Mühe ein kleines Polster für das Alter aufgebaut. Für sie ist Wohnraum kein Spekulationsobjekt, sondern ein Baustein der eigenen Sicherheit. Doch genau diese Gruppe gerät zunehmend unter Druck. Immer neue Vorgaben, Abgaben und Regulierungen erschweren die private Vermietung und drohen, Wohnraum vom Markt zu nehmen, statt ihn zu sichern.

Wie zentral private Vermieter für den Wohnungsmarkt sind, zeigt eine aktuelle Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW): 64,4 % aller Mietwohnungen in Deutschland stammen von privaten Kleinvermietern. Sie stellen damit die größte Anbietergruppe im Land dar, oft mit nur einer oder wenigen Wohnungen, die sie langfristig halten und selbst verwalten. (Quelle: www.iwkoeln.de, Institut der deutschen Wirtschaft, Autor Dr. Christian Oberst vom 26.06.2025)

Hürth braucht Wohnraum

Eine weitere Untersuchung des Verbands der Immobilienverwalter (VDIV) bestätigt diese Zahl und warnt, dass diese Vermietergruppe „zunehmend unter Druck“ steht durch Regulierung, Klimaschutzauflagen und steigende Investitionskosten. (Quelle: www.vdiv.de vom 15.07.2025)

Zwischen guter Absicht und realen Folgen

Vor diesem Hintergrund wirken die jüngsten Initiativen der SPD Hürth wie zusätzliche Belastungen für genau jene Menschen, die den Wohnungsmarkt stabil halten. Der Antrag zur Einführung einer Zweckentfremdungssatzung fordert unter anderem eine Registrierungspflicht, Genehmigungsverfahren und Bußgelder für Vermieter, die Wohnraum kurzzeitig vermieten. Der zweite Antrag „Wohnen gegen Hilfe“ setzt auf neue Strukturen und Koordination durch die Stadt.

Beide Vorstöße verfolgen nachvollziehbare Ziele: mehr Transparenz, mehr soziale Angebote, mehr Kontrolle. Doch sie treffen in der Realität vor allem private Vermieter, die ohnehin schon mit hohen Kosten kämpfen. Laut dem Vermieterreport 2025 erzielen viele Kleinvermieter im Durchschnitt nur rund 456 Euro monatlichen Überschuss. Viel zu wenig, um steigende Instandhaltungskosten, Modernisierungspflichten oder unerwartete Schäden problemlos zu stemmen.

Die Studie zeigt außerdem, dass 58 % der privaten Vermieter ihre Immobilie vor allem als Altersvorsorge halten. Für sie sind zusätzliche Auflagen nicht nur bürokratisch belastend, sondern gefährden direkt ihre finanzielle Sicherheit.

Gleichzeitig betonen Experten, dass Immobilien als Altersvorsorge zwar beliebt, aber keineswegs risikofrei sind. Hohe Instandhaltungskosten, Leerstand, Modernisierungspflichten und steuerliche Anforderungen können die Rendite erheblich schmälern. (Quelle: www.whofinance.de, Autorin Petra Burandt vom 10.11.2025)

Wenn politische Maßnahmen die Vermietung zusätzlich erschweren, wird diese Vorsorgeform unattraktiv. Die Folge: Wohnungen verschwinden vom Markt.

Fazit

Hürth braucht dringend mehr Wohnraum, aber Regeln allein schaffen keine Wohnungen. Die Studienlage zeigt klar: Private Kleinvermieter sind das Rückgrat des Mietmarkts, doch sie stehen unter wachsendem Druck. Wenn neue Vorgaben, Abgaben und Kontrollmechanismen sie weiter belasten, ziehen sich viele zurück. Wohnungen bleiben leer, werden verkauft oder gar nicht erst vermietet.

Eine starke kommunale Wohnungsbauoffensive, unterstützt durch Land und Bund, könnte dagegen genau das leisten, was viele Menschen in Hürth erwarten: bezahlbare Wohnungen für alle, ohne die private Altersvorsorge zu untergraben und ohne jene Vermieter in Hürth zu verlieren, die seit Jahrzehnten für stabile Mieten sorgen.

Über Saleh Mati

Saleh Mati, geb. 1966 in Köln. Seit 1966 wohnhaft in Hürth. Mitglied im Stadtrat seit 2004 Alle Einträge von Saleh Mati

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