Ein Instrument, das Fragen weckt und dennoch alle vereint
Die Musikschule Hürth soll eine neue Konzertharfe bekommen. Ein Instrument von beeindruckender Schönheit, aber auch beeindruckenden Kosten von 32 000 Euro. Die Mitglieder des Ausschusses stimmten einstimmig dafür, die Mittel zunächst zu sperren. Genau das sorgt für überraschende politische Einigkeit.
Es ist ein seltenes Bild im Hürther Rathaus, wenn es um die Musikschule geht. In den vergangenen Jahren prallten Positionen oft hart aufeinander, besonders wenn CDU und Grüne Sparvorschläge einbrachten und die SPD vehement dagegenhielt. Doch diesmal war alles anders. Den Antrag, die Anschaffung einer Konzertharfe zunächst mit einem Sperrvermerk zu versehen, beschlossen alle Fraktionen einstimmig. Beigeordneter Menzel, zuständig für die Musikschule, äußerte sich nicht.

Die CDU begründet ihren Antrag mit deutlichen Worten. Die Anschaffung sei „sehr speziell“ und diene nur wenigen Schülerinnen und Schülern. Gleichzeitig müsse die Musikschule ein breites Angebot für viele Menschen bezahlbar halten. Vor einer Freigabe der Mittel wolle man wissen, wie groß der tatsächliche Nutzerkreis sei. Zudem wollte das Mehrheitsbündnis wissen, ob es alternative Wege gebe, etwa Leihgaben oder Kooperationen mit anderen Musikschulen.
Einigkeit nach Jahren der Reibung
Gerade weil die Musikschule in Hürth in den vergangenen Jahren so erfolgreich gearbeitet hat, wirkt die neue Einigkeit bemerkenswert. Die SPD, sonst schnell kritisch bei Sparvorschlägen, stellte diesmal keine Nachfrage.
CDU-Fraktionsvorsitzender Björn Burzinsky formulierte es im Ausschuss so: „Ob sich das mit den Bedarfen deckt, wir möchten gerne einschätzen, wie viele Schülerinnen und Schüler die Harfe nutzen. Wir möchten von der Verwaltung wissen, ob es andere Möglichkeiten gibt, wie Leihgaben.“
Die Frage, die im Raum steht, ist größer als die Harfe selbst. Sie berührt das Selbstverständnis der Musikschule: Wie viel Spezialisierung ist sinnvoll, wenn gleichzeitig möglichst viele Menschen Zugang zu kultureller Bildung behalten sollen.
Für die Hürtherinnen und Hürther eröffnet sich damit ein Moment, der selten ist. Alle Fraktionen ziehen an einem Strang, aber die Diskussion ist keineswegs beendet. Sie beginnt jetzt erst richtig. Welche Rolle soll die Musikschule künftig spielen? Wie viel Vielfalt darf sie sich leisten? Und wie viel sind wir bereit, dafür zu investieren? Entsteht hier eine neue parteiübergreifende Linie beim Thema Musikschule oder bleibt es ein Einzelfall?
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