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Die Diagonalschleuse – ein Stadtteil zwischen Geduld und Gereiztheit

von Saleh Mati am 3. Januar 2026

Haushalt 2026 und die alten Fragen bleiben

Wenn der Stadtrat jetzt über den Haushalt 2025 berät, merke ich, wie ein Thema bei mir wieder an die Oberfläche drängt, das in Efferen nie wirklich zur Ruhe gekommen ist. Die verschlossene Diagonalschleuse. Als ich damals meinen Antrag stellte, war ich einer der wenigen, die dieses Anliegen überhaupt wieder aktiv auf die Tagesordnung brachten. Doch gegen viel Skepsis, gegen Zurückhaltung und gegen mangelnde Bereitschaft, die Situation neu zu bewerten, konnte ich damals nichts bewegen.
Heute, nach meinem Ausscheiden aus dem Stadtrat, hoffe ich dennoch, dass ein vergleichbarer Vorstoß für die Menschen im Viertel unternommen wird. Mein Appell richtet sich an die FDP, die sich mir damals angeschlossen hatte und an die neu gewählten Mitglieder des Stadtrats. Gebt diesem Thema die Aufmerksamkeit, die es verdient.

Sperrung Diagonalschleuse

An einem gewöhnlichen Werktagmorgen in Efferen zeigt sich das Problem in wenigen Minuten. Autos reihen sich auf der Rondorfer Straße aneinander. Dabei versuchen die Fahrzeugführer sich in den Verkehr auf der Luxemburger Straße einzufädeln. Manche warten geduldig, andere wirken angespannt. Die Diagonalschleuse, seit Jahren geschlossen, ist längst mehr als eine bauliche Maßnahme. Sie ist ein Symbol für die Frage, wie erreichbar ein Stadtteil sein darf. Wie viel Umweg kann den Menschen zugemutet werden?

Deutliche Mehrheit bei einer Umfrage für die Öffnung der Diagonalschleuse

Die Diskussion ist nicht neu. Bereits 2021 zeigte meine Umfrage unter den Bewohnerinnen und Bewohnern des betroffenen Gebiets ein deutliches Bild. Damals sprachen sich 78 % für eine Öffnung der Schleuse aus, nur 22 % für die Beibehaltung der Sperrung. Besonders eindrücklich schilderte damals ein Efferener Arzt, wie sich die Wege durch die Sperrung verlängert haben. Statt fünf Minuten benötigen die Patienten und Patientinnen inzwischen bis zu 30 Minuten, je nach Verkehrslage. Ein Problem, das ebenfalls manches Unternehmen vor eine schwierige Herausforderung stellt.

Daher schloss sich der Arbeitskreis Wirtschaft Hürth (AWH) früh der geäußerten Kritik an. Der AWH sprach 2022 von einem „erheblich verschlechterten Standort“ und forderte eine Testöffnung, da die neue Ortsumgehung Durchgangsverkehr ohnehin unattraktiv mache (Quelle: AWH Hürth, 30.05.2022).

Doch die politische Lage blieb kompliziert. Laut Radio Erft (01.06.2022) lehnte der Verkehrsausschuss eine Öffnung ab. Die CDU verwies auf ein Gutachten, das für das Linksabbiegen von der Rondorfer Straße auf die Luxemburger Straße lediglich 1,5 Minuten Wartezeit ermittelt habe. Für viele Anwohner klang diese Zahl wie ein theoretischer Wert, der mit der Realität wenig zu tun hat.

Verkehrsentwicklungsplan aus 2019 bringt keine Lösung

Der Verkehrsentwicklungsplan Hürth 2030 (Stadt Hürth, 28.11.2019) zeigt, wie komplex die Verkehrsströme im Umfeld sind. Luxemburger Straße, Rondorfer Straße, Kaulardstraße und Kalscheurener Straße bilden ein sensibles Netz, in dem jede Veränderung Auswirkungen auf mehrere Straßenzüge hat. Doch eine Lösung brachte die aufwendige Verkehrsuntersuchung nicht. Stattdessen haben CDU, SPD und Grüne eine weitere teure Verkehrsuntersuchung für Hürth Efferen in Auftrag gegeben.

Mit meinem Antrag zum Haushalt 2025 forderte ich nun, die Planungsmittel um 40.000 Euro zu erhöhen, um genau diese Auswirkungen erneut und umfassend untersuchen zu lassen. Ziel ist eine faktenbasierte Einschätzung, wie sich eine Öffnung auf Robert‑Bosch‑Straße, Jägerpfad und den nördlichen Teil der Rondorfer Straße auswirken würde. Doch CDU, SPD und Grüne lehnte meinen Vorstoß vor einem Jahr ab.

Zwischen den Zeilen spürt der Betrachter. Efferen ist müde vom Warten. Die Menschen wollen Klarheit, Beteiligung und eine Lösung, die ihre Lebensrealität ernst nimmt. Ob die Diagonalschleuse eines Tages wieder öffnet, ist offen. Doch der Wunsch nach einer fairen, transparenten Entscheidung ist deutlicher denn je.

Über Saleh Mati

Saleh Mati, geb. 1966 in Köln. Seit 1966 wohnhaft in Hürth. Mitglied im Stadtrat seit 2004 Alle Einträge von Saleh Mati

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