Hürth braucht Mut, den Mut zum respektvollen Miteinander
Es gibt Momente, die uns als Menschen und als Demokratinnen und Demokraten erschüttern. Der Vorfall vom 22. Dezember 2024 war für mich ein solcher Moment, ein Bruch mit dem, wofür Kommunalpolitik stehen sollte: Respekt, Dialog, Verständnis und Verantwortung. Ein Jahr später kehre ich an den Ort zurück, nicht um zu verdrängen, sondern um zu erinnern. Denn nur wer hinschaut, kann Haltung zeigen.
Es gibt Momente in einem politischen Leben, die sich einbrennen. Nicht, weil sie besonders erfolgreich waren, nicht, weil man etwas Großes erreicht hätte, sondern weil sie schmerzen. Weil sie an das rühren, was uns als Demokratinnen und Demokraten ausmacht.
Ich war 26 Jahre in der Hürther Kommunalpolitik aktiv. Fünf Jahre war ich als sachkundiger Bürger aktiv, 21 Jahre war ich als Mitglied des Stadtrates aktiv. In dieser Zeit erlebte ich vieles. Dabei waren harte Debatten, faire Kompromisse, kluge Entscheidungen, aber auch Enttäuschungen. Doch ein Tag sticht heraus. Ein Tag, der für mich ein Tiefpunkt war. Das war der 22. Dezember 2024.
An diesem Tag wurde ein Video öffentlich, das eine Auseinandersetzung zwischen dem damaligen Fraktionsvorsitzenden der SPD Hürth und einem anderen Ratsmitglied zeigte. Der Film zeigte einen tätlichen Angriff, der deutschlandweit viral in den sozialen Medien ging, Menschen kommentierten und diskutierten das Video. Ich empfand es als Schlag in die Magengrube der vielen ehrenamtlichen Kommunalpolitikerinnen und Kommunalpolitiker. Nicht nur, weil Gewalt in der politischen Auseinandersetzung niemals akzeptabel ist. Sondern auch, weil eine Person beteiligt war, die lange eine prägende Figur der Hürther SPD gewesen war. Das Video zeigte den damaligen Vorsitzenden der Stadtratsfraktion, gleichzeitig Mitglied des Kreistages und zuvor als Parteivorsitzender der SPD Hürth verantwortlich für den Kommunalwahlkampf.
Kommunalpolitik lebt davon, dass wir uns zuhören, dass wir streiten, aber mit Worten
Ich war enttäuscht und wütend. Nicht auf eine Partei, nicht auf politische Gegner, sondern auf die Tatsache, dass dass das gefilmte Fehlverhalten eines Einzelnen den gegenseitigen Respekt als ein Grundpfeiler unserer kommunalen Demokratie erschüttert. Kommunalpolitik lebt davon, dass wir uns zuhören, dass wir streiten, aber mit Worten. Dass wir Argumente austauschen, nicht Schläge. Dass wir uns in die Augen schauen können, auch wenn wir unterschiedlicher Meinung sind.

Deshalb versuchte ich, im Stadtrat eine Resolution zu verabschieden, in der wir gemeinsam und fraktionsübergreifend Gewalt in der politischen Diskussion verurteilen. Eine einfache, klare Botschaft. Doch weder meine eigene Partei noch CDU, Grüne oder FDP gingen diesen Schritt mit. Die Botschaft an mich, es sei selbstverständlich, dass Gewalt keinen Platz habe. Daher brauchen wir In Hürth keine Resolution. Gleichzeitig hatten die Freien Wähler zuvor eine Sondersitzung beantragt, weil sie um das Ansehen des Stadtrates fürchteten.
Ich konnte meine damaligen Kolleginnen und Kollegen nicht überzeugen. Das akzeptiere ich. Aber vergessen kann ich diesen Vorfall nicht. Und ich will es auch nicht.
Wir tragen Verantwortung
Ein Jahr später kehrte ich an den Ort zurück, an dem das Video entstanden war. Nicht aus Neugier. Nicht aus Verbitterung. Sondern um mir selbst zu verdeutlichen, dass wir Verantwortung tragen. Jede und jeder von uns, die wir uns politisch engagieren. Verantwortung für das Klima, das wir schaffen. Verantwortung für die Art, wie wir miteinander umgehen. Verantwortung dafür, dass Gewalt niemals Teil unseres politischen Alltags wird. Verantwortung für unsere gesellschfaftliches Miteinander.
Ich distanziere mich heute erneut von diesem Vorfall. Und ich möchte mit meinem Beitrag ein Zeichen setzen. Ein Zeichen für Respekt, für demokratische Kultur, für ein Miteinander, das Hürth verdient.
Denn unsere Stadt lebt nicht von Schlagzeilen, sondern von Menschen, die sich mit Haltung und Herz einsetzen. Dafür engagiere ich mich gestern, heute und morgen.
Lasst uns gemeinsam dafür einstehen, dass Respekt, Argumente und Menschlichkeit politische Diskussionen prägen. Sprecht darüber, widersprecht Gewalt und stärkt jene, die sich mit Haltung für unsere Stadt einsetzen. Demokratie beginnt nicht im Rathaus, sondern bei uns allen.
Bitte teilt meinen Beitrag, wenn Ihr mit mir ein Zeichen für Respekt, demokratische Kultur und ein Miteinander in Hürth setzen wollt.