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Teil 4 von 4 „Manche Eltern sind so verzweifelt, wenn sie keinen Platz bekommen“

von Saleh Mati am 27. Dezember 2018

Interview mit Frau Sommer, Leiterin der Gesamtschule Hürth

Saleh Mati: „Wie sieht Ihr Tag aus?“

Frau Sommer: „Ich komme morgens gegen 7 Uhr, da ich zu Tagesbeginn ein wenig Ruhe brauche, um den Tag vorzubereiten. Ab halb acht geht hier der tägliche Trubel los und ich bin von zahlreichen Herausforderungen und allen am Schulleben Beteiligten beansprucht.“

Saleh Mati: „Wann verlassen Sie die Schule?“

Frau Sommer: „Oft erst gegen sechs Uhr, teilweise auch noch später.“

Saleh Mati fragt provokativ: „Kann man den Schulunterricht automatisieren?“

Frau Sommer: „Nein. Die Ressource Lehrerkraft ist die wichtigste. Dazu gibt es diverse Studien, die das bestätigen. Ein Kind lernt am besten bei einer guten Beziehung zur Lehrkraft. Die Digitalisierung erleichtert aber unseren Arbeitsalltag sehr, z. B. durch flächendeckendes WLAN und Beamer in allen Klassen.“

Saleh Mati: „Wie kann ich das verstehen?“

Frau Sommer: „Die Lehrkräfte bereiten den Unterricht zu Hause vor und können über einen Stick oder über die Cloud ihr Material direkt im Klassenraum abrufen und einsetzen.“


Nach Versand der Aufnahme- bzw. Ablehnungsbescheide spielen sich teilweise Dramen in unserer Schule ab

Saleh Mati: „Wie sieht es mit den Zahlen zur Anmeldung an der Gesamtschule aus?“

Frau Sommer: „Wir sind sehr gut nachgefragt und haben immer mehr Anmeldungen als tatsächlich Plätze zur Verfügung stehen.“

Saleh Mati: „Die Politik hat intensiv den Bedarf an einer Gesamtschule in Hürth diskutiert. Letztendlich sind die Beschlüsse fast alle einstimmig gefallen. Ist es wirklich so, dass Sie Kinder ablehnen müssen?“

Frau Sommer: „Ja, in großer Zahl. Es spielen sich nach Versand der Aufnahme- bzw. Ablehnungsbescheide teilweise Dramen in unserer Schule ab. Manche Eltern sind so verzweifelt, wenn sie keinen Platz bekommen, dass sie weinend oder wütend im Sekretariat stehen und an uns appellieren, Ihr Kind aufzunehmen. Aber die Räumlichkeiten lassen keine weiteren Klassen zu.“

Regeln an der Gesamtschule

Saleh Mati: „Sind viele auswärtige Kinder an der Schule? Beispielsweise aus Köln?“

Frau Sommer: „In ganz geringer Zahl. Einige unserer Schüler*innen sind aus Hürth weggezogen, besuchen aber weiter unsere Schule. Auch haben wir einige Schüler*innen aus Frechen, wo es keine Gesamtschule gibt. Kölner Eltern fragen immer mal nach, es gab auch schon Anmeldungen, aber faktisch haben wir keine Kölner Kinder. Ich bin froh, dass wir in Hürth ein vollständiges Schulangebot haben und alle Schulformen des dreigliedrigen Schulsystems noch vorhanden sind. Sonst wäre unser Anmeldesituation sicherlich noch verschärfter.“

Saleh Mati: „Haben Sie Wünsche für Ihre Arbeit?“

Frau Sommer: „Eine geschlossene Aula und ein besser aufgeteiltes Lehrerzimmer. Aber es ist, wie es ist.“

Saleh Mati: „Was war der Grund. Dass Ihre Wünsche nicht umgesetzt werden konnten?“

Frau Sommer: „Die Planungen waren im Jahr 2012 bereits weitestgehend abgeschlossen. Als Leitung sind meine Stellvertreterin und ich im Jahr 2014 ernannt worden. Was wir dann im Plan gesehen haben und verbessert haben wollten, konnte häufig berichtigt werden. Aber es gab auch ein klares Zeitfenster und einen festen Kostenrahmen. Insofern gab es Grenzen, da ging es nicht. Daher war es nicht einfach für alle Beteiligten. Die Aula und ein großer Raum als zentraler Treffpunkt für die Lehrkräfte und für Konferenzen fehlen uns.“

 Saleh Mati: „Frau Sommer, vielen Dank für Ihre Zeit und für das Interview.“

Über Saleh Mati

Saleh Mati, geb. 1966 in Köln. Seit 1966 wohnhaft in Hürth. Mitglied im Stadtrat seit 2004 Alle Einträge von Saleh Mati

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