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Interview mit Frau Sabine Sommer, Leiterin der Gesamtschule (Teil 2 von 4)

von Saleh Mati am 4. Dezember 2018

Die Gesamtschule ist so wie das Leben bzw. die Gesellschaft: bunt und vielfältig

Dies ist der zweite Teil des Interviews mit Frau Sabine Sommer mit den Themen, wie beispielsweise der pädagogische Ansatz der Gesamtschule Schüler*innen fördert und verschiedene Schulabschlüsse an der Gesamtschule ermöglicht.

Saleh Mati: „Ich dachte, ein Sonderpädagoge pro Klasse?“

Frau Sommer: „Das wünscht man sich. Das ist die landläufige Vorstellung. So ist es jedoch nicht. Aber auch unserer Landesregierung ist bewusst, dass hier Ressourcen zu wenig sind und es wird an Aufstockungen gearbeitet.“

Frau Sommer weiter, “Wir haben aber ein tolles Lehrerkollegium und arbeiten intensiv in Jahrgangsteams. Die Zusammenarbeit zwischen Regelschullehrkräften und Sonderpädagog*innen klappt hervorragend. Wir trennen da auch nicht. Wir unterrichten und begleiten alle dieselben Kinder. Wenn bestimmtes Fach-Knowhow gefragt ist, stehen sich die Kolleg*innen in ihrem Jahrgangsteam gegenseitig unterstützend zur Seite. Auch für die Schüleri*nnen sind alle Lehrkräfte gleich. Trotzdem ist die Ressource Sonderpädagog*in viel zu knapp.“

Saleh Mati: „Gibt es Schüler*innen, an deren positive Entwicklung Sie sich erinnern?“

Frau Sommer: „Ich denke dabei gerade an ein Kind, dessen Eltern uns anfangs sehr kritisch begegneten. Der Werdegang an der Grundschule war eher negativ. Das Kind hatte Förderbedarf im emotionalen und sozialen Bereich und war anfangs recht orientierungslos und auffällig. Das Kind hat sich mittlerweile sehr gut entwickelt, ist nicht mehr negativ auffällig und ist leistungsmäßig durchgestartet. Wir konnten den Förderbedarf sogar aufheben.“

Die Gesamtschule steht dafür, dass schulische Bildungswege lange offengehalten sind

Saleh Mati: „Das motiviert. Wie ist das mit den Schulabschlüssen an der Gesamtschule?“

Frau Sommer: „Die Gesamtschule steht dafür, dass schulische Bildungswege lange offengehalten sind. Wir können noch nicht sagen, ob ein Kind, welches mit einer Empfehlung für die Haupt- oder Realschule bei uns die Oberstufe besuchen wird, da wir noch nicht so weit sind. Ich weiß aber von etablierten Gesamtschulen, dass zahlreiche Kinder an den Gesamtschulen mit einer Grundschulempfehlung für die Haupt- oder Realschule Abitur machen.“

Saleh Mati: „Das spricht für die Gesamtschule.“

Frau Sommer: „Eltern berichten uns von ihren Kindern mit Empfehlung für das Gymnasium, dass die Kinder mit dem Druck nicht zu Recht kommen. Dies ist oft mit den Erwartungen verbunden. G 8 hat dies verschärft. Wie sich das nach der Rückkehr zu G 9 entwickelt, muss man sehen.“

Frau Sommer führt dazu weiter aus: „Die Gesamtschule ist so wie das Leben bzw. die Gesellschaft: bunt und vielfältig – sie bildet das breite Spektrum in der Gesellschaft ab. Die Konzepte an den Gesamtschulen sind darauf abgestimmt, alle mitzunehmen. Viele Eltern wollen das bewusst für ihr Kind.“

Schulleiterin Gesamtschule Frau Sabine Sommer

Lernen in heterogenen Gruppen ist äußerst förderlich für alle Beteiligten

Saleh Mati: „Manche Eltern haben Sorge, dass in der Gesamtschule zu wenig Wissen vermittelt wird.“

Frau Sommer: „Die Sorge, dass Kinder fachlich nicht genug auf das Abitur vorbereitet werden, weil sie auch mit leistungsschwachen Mitschüler*innen zusammenarbeiten, mag bei manchen Eltern vorhanden sein. Ich halte die Sorge für unberechtigt. Es gibt Studien, die eindeutig belegen, dass das gemeinsame Lernen in heterogenen Gruppen äußerst förderlich für alle Beteiligten ist. Dabei wurden höhere Lernzuwächse gemessen, als in vermeintlich homogenen Lerngruppen. Letztendlich kann ich den Eltern aber nicht jede Sorge nehmen und wünsche mir hier Vertrauen in die eigenen Kinder und in unsere Arbeit.“

Saleh Mati: „Noch fehlen Ihnen die Fakten, da Sie noch keine Oberstufe haben. Wie schneidet die Gesamtschule bei der Erhebung des Lernstandes in Jahrgang 8 ab?“

Frau Sommer:. „Bei der Erhebung des Lernstands Jg. 8 unseres ersten Gründungsjahrgangs im letzten Schuljahr waren wir vollkommen im Soll im NRW-Vergleich und im Vergleich mit den anderen Schulformen.“

Über Saleh Mati

Saleh Mati, geb. 1966 in Köln. Seit 1966 wohnhaft in Hürth. Mitglied im Stadtrat seit 2004 Alle Einträge von Saleh Mati

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