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Gesamtschule: Viel mehr Anmeldungen als freie Plätze

von Saleh Mati am 30. November 2018

Interview mit Frau Sabine Sommer, Leiterin der Gesamtschule

Teil 1 von 4 (Inklusion): „Jedes Kind hat Bedürfnisse, auch Kinder ohne Förderbedarf“

Frau Sabine Sommer betritt das Sekretariat im zügigen Schritt. Die Haare wehen fast bei dem schnellen Schritt. Der erste Gang gilt der Kaffeemaschine. Und bevor ich die erste Frage stelle, bekomme ich selbst eine Frage gestellt, ob ich einen Kaffee möchte.

Die Gesamtschule ist seit August 2014 in Betrieb. Aktuell besuchen knapp 600 Schüler die Bildungseinrichtung. Anfangs unterrichteten 14 Lehrer, jetzt sind 53 Lehrer in der Schule beschäftigt.

Saleh Mati, „Frau Sommer, Wie haben Sie den Start der Hürther Gesamtschule erlebt?“

Sabine Sommer: „Sehr positiv. Die Stadt hat sich sehr bemüht. Wir hatten feste Ansprechpartner und wir haben am Telefon immer jemanden erreicht. Auch auf unsere E-Mails erhielten wir schnell eine Antwort. Das kannte ich so von meinem vorherigen Schulträger nicht.“

Saleh Mati: „Die Gesamtschule ist bekannt in Hürth für ihren guten inklusiven Unterricht. Mit wie vielen Kindern mit erhöhten Förderbedarf sind Sie gestartet?

Das erste Schuljahr startete mit 112 Kindern

Frau Sommer: „Im ersten Schuljahr hatten wir 112 Schüler*innen, davon mit 10 mit sonderpädagogischem Förderbedarf. In unserem Provisorium, der Dr. Kürten Schule gab es zwei größere und zwei kleinere Klassenräume. Daher sollten wir zu Beginn zwei Klassen mit 30 Kindern und zwei Klassen mit 26 Kindern bilden. In den kleineren Klassen waren die Kinder mit erhöhten Förderbedarf. Wir haben jedoch sehr schnell bei der Arbeit gemerkt, dass alle Kinder Bedürfnisse haben. Auch die Lehrkräfte der Klassen mit Kindern ohne Förderbedarf fragten unsere Sonderpädagogin an. Die Aufteilung in Klassen mit und ohne Kinder mit Förderbedarf entsprach auch nicht unserem Verständnis von gemeinsamen Lernen.“

Bei Frau Sommers Ausführungen spüre ich Ihr Engagement und sie führt weiter aus: „Daher entschieden wir im Lehrerkollegium einstimmig, dass alle Klassen Kinder mit und ohne Förderbedarf haben sollen. Für uns zeigt es sich, dass dies der richtige Weg ist. Aktuell haben wir in jeder Stufe eine zuständige Sonderpädagog*in.“

Ich frage erstaunt nach: „Ein Sonderpädagoge pro Stufe? Das ist nicht viel!“

Frau Sommer lacht: „Nein, das ist richtig. Das ist das von der Landesregierung vorgegebene Budget. Hier ist festgelegt, dass für Schüler*innen mit den Förderbedarfen ‚Lernen‘, ‚Sprache‘ und ‚Emotionale-soziale Entwicklung‘ jeweils eine Sonderpädagog*in pro Zug den Schulen zur Verfügung steht. Wir sind 5-zügig, d. h. uns stehen hier 5 Stellen für Sonderpädagogen zur Verfügung. Für andere Förderbedarfe kommen dann noch einmal einige Lehrerstunden dazu.“

Saleh Mati: „Ich dachte, ein Sonderpädagoge pro Klasse?“

Frau Sommer: „Das wünscht man sich. Das ist die landläufige Vorstellung. So ist es jedoch nicht. Aber auch unserer Landesregierung ist bewusst, dass hier Ressourcen zu wenig sind und es wird an Aufstockungen gearbeitet.“

Über Saleh Mati

Saleh Mati, geb. 1966 in Köln. Seit 1966 wohnhaft in Hürth. Mitglied im Stadtrat seit 2004 Alle Einträge von Saleh Mati

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