Glasfaser für Gleuel und doch rückt der Anschluss in die Ferne
Viele Menschen in Gleuel hofften, bald endlich schnelles Internet zu bekommen. Doch neue Informationen aus der Verwaltung lassen Zweifel wachsen. Damit wächst die Sorge, dass der Ausbau nicht vorankommt, sondern sogar ausgebremst wird.
In einer E-Mail an unserhuerth schildert ein Bewohner der Barbarastraße seine Enttäuschung. Er beschreibt, wie er sich auf den angekündigten Glasfaserausbau gefreut hatte, weil seine DSL-Leitung kaum noch zeitgemäß ist. Auf einer Infoveranstaltung zum geplanten Ausbau der Schnellermaarstraße und Barbarastraße erlebte er jedoch eine Wendung, die viele Gleuelerinnen und Gleueler irritiert. Während die Schnellermaarstraße dringend zu sanieren ist, wirkt die Barbarastraße in einem guten Zustand. Trotzdem erneuern die Stadtwerke beide Straßen gemeinsam. Erst auf Nachfrage räumte die Verwaltung ein, dass sie den Glasfaserausbau an diese Straßensanierung koppeln werde.
Der Bürger formuliert seine Sorge deutlich: „Der Glasfaserausbau soll in ganz Gleuel bis Anfang 2027 fertiggestellt werden. Doch der Beginn der Straßenerneuerung ist auf Anfang 2028 terminiert. Damit verschiebt sich der Glasfaserausbau bei der geplanten Bauzeit für die Sanierung der Straßen um vier Jahre. Für ihn bedeutet das: Gleuel könnte erst 2032 oder später ans schnelle Netz kommen.“
Versprechen auf der einen Seite, Verzögerungen auf der anderen
NetCologne und die Stadtwerke Hürth vermitteln seit Monaten ein anderes Bild. In ihren Veröffentlichungen heißt es, der Ausbau in Gleuel sei „größtenteils fertiggestellt“ und der Roll-out gehe Schritt für Schritt weiter. Die Pressemitteilung der Stadt Hürth aus dem Jahr 2024 betont, dass 25.000 Haushalte in den kommenden Jahren angeschlossen werden sollen. Bürgermeister Dirk Breuer erklärte damals, eine moderne Breitbandinfrastruktur sei „essentiell für die Zukunft der Stadt“.
Auch NetCologne wirbt offensiv: Gigabitgeschwindigkeiten, kostenfreie Hausanschlüsse während der Bauphase, ein Netz, das Hürth fit für die kommenden Jahrzehnte machen soll. Die Stadtwerke übernehmen den Tiefbau, NetCologne die aktive Technik. Auf dem Papier klingt das nach einem ambitionierten und klar strukturierten Projekt.
Doch die Realität in Gleuel zeigt eine Lücke zwischen Anspruch und Umsetzung. Wenn der Glasfaserausbau tatsächlich an eine Straßensanierung gekoppelt wird, die erst 2028 beginnt und vier Jahre dauert, entsteht ein massiver Widerspruch zu den bisherigen Zeitplänen.
Ein Konflikt mit Bundes und EU‑Zielen
Die Verzögerung trifft nicht nur die Geduld der Bürgerinnen und Bürger, sondern widerspricht auch klaren politischen Vorgaben. Das Telekommunikationsgesetz wurde im Jahr 2025 überarbeitet. Dabei geht die Bundesregierung davon aus, dass der flächendeckende Glasfaserausbau bis 2030 gelingen kann. Zudem stuft sie den Glasfaserausbau als ein „überragendes öffentliches Interesse“ ein. Auf der Homepage des Bundeministeriums für Digitalisierung und Staatsmodernisierung findet sich der Satz, „Die Verlegung und die Änderung von Telekommunikationslinien zum Ausbau von öffentlichen Telekommunikationsnetzen liegen bis zum Ablauf des 31. Dezember 2030 im überragenden öffentlichen Interesse.“
Auch auf europäischer Ebene ist der Kurs eindeutig. Der Gigabit Infrastructure Act verpflichtet die Mitgliedstaaten, Genehmigungsverfahren zu beschleunigen und Verzögerungen zu vermeiden. Das Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung bestätigt, dass Deutschland sein Telekommunikationsrecht entsprechend anpasst und die EU‑Vorgaben verbindlich umzusetzen sind.
Nach öffentlich einsehbaren Karten gehört Gleuel weiterhin zu den sogenannten Grauen Flecken, also Gebieten mit unzureichender gigabitfähiger Versorgung. Die Bundesregierung betont, dass genau diese unterversorgten Bereiche prioritär erschlossen werden müssen, um die digitale Teilhabe sicherzustellen.
Was Hürth jetzt tun muss
Der Ausbau ist dringend notwendig. Er entscheidet über die digitale Zukunft des Stadtteils und über die Attraktivität des Standorts. Wenn die Stadt den Glasfaserausbau tatsächlich an eine Straßensanierung bindet, die noch nicht politisch beschlossen ist, riskiert sie nicht nur Verzögerungen, sondern auch das Vertrauen der Menschen.
Gleuel braucht Klarheit. Die Bürgerinnen und Bürger müssen erfahren, ob die Versprechen aus 2024 und 2025 Bestand haben oder ob der Ausbau tatsächlich um Jahre nach hinten rutscht. Stadtwerke, Stadtverwaltung und NetCologne sollten jetzt transparent erklären, wie die Planungen wirklich aussehen und wie sie sicherstellen wollen, dass Gleuel nicht bis 2032 auf Glasfaser warten muss.
Wie wichtig ist Ihnen ein schneller Glasfaseranschluss und was erwarten Sie von Stadt, Stadtwerken und NetCologne, damit Gleuel nicht weiter abgehängt wird?