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Ein Jahresbeginn im Schnee und viele offene Fragen

von Saleh Mati am 10. Januar 2026

der Fahrer des Räumfahrzeugs schien Spaß an seiner Arbeit zu haben

Das neue Jahr hat Hürth mit einer weißen Decke begrüßt. Beim ersten Blick aus dem Fenster wirkte alles stiller, gedämpfter, fast friedlich. Doch wer heute Morgen auf der Horbeller Straße unterwegs war, erlebte eine andere Seite dieses Winters. Ein lautes Geräusch war zu hören. Ein Fahrzeug raste mit Schneepflug über die Straße, deutlich schneller, als es die Situation erfordert hätte. Der Schneeschieber kratzte über die von Bussen und Autos bereits zu Matsch gefahrenen Schneereste. Die braunen Matschhaufen flogen links und rechts wie kleine Fontänen davon.

Der Schneeschieber schabte dabei hörbar über den blanken Asphalt. Dabei erzeugte das Gerät ein Geräusch, das nicht nur unangenehm klang, sondern auch den Eindruck vermittelte, dass hier Material und Maschine unnötig belastet wurden. Doch ob das Fahrzeug ihm diese Fahrweise danken wird, ist fraglich. An der Kreuzung Horbeller Straße / Krankenhausstraße musste er abbremsen, weil ein PKW vor ihm langsamer fuhr.

ältere Menschen in ihrer Mobilität eingeschränkt, Hausbewohner teilweise vom Schnee überfordert

Tags zuvor sprach mich eine ältere Dame an. Sie erzählte mir, dass sie mit ihrem Rollator am Rand eines ungeräumten Gehwegs nicht weiterwusste. „Ich komme da nur schwer durch. Muss ich meinen Rollator zu Hause lassen?“, sagte sie. Das war mir nicht bewusst: Für Menschen, die auf Hilfsmittel angewiesen sind, kann ein nicht geräumter Gehweg schnell zur Gefahr werden. Ein Sturz ist für ältere Menschen nicht einfach ein Missgeschick, er kann ihr Leben nachhaltig verändern.

Auf der anderen Seite stehen die Anwohnerinnen und Anwohner, die zwischen Beruf, Familie und Alltagspflichten versuchen, auch noch den Schnee zu bewältigen. Viele geben ihr Bestes. Manche organisieren sich mit Nachbarn, helfen sich gegenseitig, teilen Schaufeln, Zeit und Verantwortung. Andere schaffen es schlicht nicht und manche wollen es vielleicht auch nicht.

Dabei stellt sich die Frage: Wie organisiert unsere Stadt eigentlich ihre eigenen Flächen? Hürth besitzt zahlreiche Gebäude. Dazu gehören Schulen, Kitas, Wohngebäude für Obdachlose oder Büros für Vereine. Wer räumt dort die Gehwege, und wie schnell? Und kontrolliert das Ordnungsamt tatsächlich, ob die Räumpflicht eingehalten wird? Oder bleibt vieles dem Zufall überlassen?

Zum Glück erleben wir in Hürth selten solche Schneemengen. Doch gerade deshalb fehlt vielleicht die Routine, die Klarheit, die Selbstverständlichkeit im Umgang mit solchen Tagen. Zwischen der älteren Dame, die sich Sicherheit wünscht, und den Menschen, die sich überfordert fühlen, liegt ein Spannungsfeld, das uns alle betrifft.

Liebe Hürtherinnen und Hürther: Wie erleben Sie diese Situation? Was ist fair, was ist zumutbar, was ist notwendig? Und wie können wir als Stadt gemeinsam dafür sorgen, dass niemand im Schnee stecken bleibt?

Über Saleh Mati

Saleh Mati, geb. 1966 in Köln. Seit 1966 wohnhaft in Hürth. Mitglied im Stadtrat seit 2004 Alle Einträge von Saleh Mati

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