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SPD Hürth und die offene Frage nach der Aufarbeitung eines politischen Tiefpunkts

von Saleh Mati am 25. Juli 2026

Eineinhalb Jahre nach der Kneipenschlägerei in Alt Hürth bleibt unklar, ob die SPD ihre eigenen Hausaufgaben erledigt hat

Im Dezember 2024 kam es in der Gaststätte Adlerhof zu einer nächtlichen Auseinandersetzung zwischen dem damaligen SPD-Fraktionsvorsitzenden und einem AfD Stadtverordneten. Inzwischen hat die Staatsanwaltschaft Köln Anklage erhoben. Während die Fakten dokumentiert sind, bleibt die politische Aufarbeitung im Ortsverein auffallend unvollständig.

Die SPD versprach Aufklärung, doch sie blieb aus

Die SPD Hürth erklärte am 23. Dezember 2024, man nehme den Vorfall „sehr ernst“ und werde ihn „umfassend aufarbeiten“. Gleichzeitig stufte die Partei die Eskalation als „rein private Auseinandersetzung“ ein (Quelle: SPD-Statement, 23.12.2024). Diese Einordnung verengte den Blick früh und verschob die Verantwortung vollständig auf den damaligen Fraktionsvorsitzenden.

Dabei wirft die Staatsanwaltschaft dem früheren Kommunalpolitiker gefährliche Körperverletzung vor. Ein Video zeigt den SPD-Mann, wie er nach seinem Kontrahenten tritt (Quelle: Kölner Stadt Anzeiger, 26.06.2026). Viele Hürtherinnen und Hürther dürften eine Auseinandersetzung zwischen zwei demokratisch gewählten Ratsvertretern kaum als „privat“ einordnen, erst recht nicht, wenn einer der Beteiligten Vorsitzender der zweitgrößten Ratsfraktion war.

Zwischen Überforderung und fehlender Kontrolle

Die Mitglieder hoben den früheren Kommunalpolitiker in kurzer Zeit in mehrere Ämter: Parteivorsitzender, Mitglied im Kreistag, Kandidat für das Amt des stellvertretenden Bürgermeisters. Viele sahen in ihm einen Hoffnungsträger für eine Partei, die im Umfragetief lag. Daher liegt die Frage nahe, ob die SPD Hürth ihn überforderte. Hat die SPD Hürth Warnzeichen übersehen oder notwendige Unterstützung versäumt?

Auch der spätere Rücktritt verlief schleppend. Laut Kölner Stadt Anzeiger kritisierte die kommissarische Fraktionsvorsitzende, der Schritt sei „offensichtlich sehr ungern“ erfolgt. Doch statt sich über den späten Rücktritt zu beschweren, hätten die Fraktionsmitglieder selbst aktiv werden können und in einer Versammlung die Absetzung beantragen können.

Eine Resolution im Stadtrat gegen Gewalt und für eine faire politische Auseinandersetzung hätte ein klares Zeichen senden können. Doch die SPD Hürth wollte eine solche Resolution damals nicht mittragen.

Bis heute gibt es keine Hinweise auf eine systematische Aufarbeitung. Keine interne Untersuchung, keine öffentliche Reflexion, keine politische Konsequenz jenseits des Rücktritts des Betroffenen.

Wer hohe Maßstäbe setzt, muss sie selbst erfüllen

Die SPD Hürth fordert Abgeordnete auf, sich für ein AfD Verbot einzusetzen. Doch im eigenen Ortsverein blieb die versprochene Aufarbeitung eines politischen Tiefpunkts aus. Gewalt untergräbt demokratische Werte, unabhängig davon, wer sie ausübt. Das Verfahren läuft weiter, die Klage liegt beim Gericht. Doch die Verantwortung für politische Kultur liegt bei uns allen.

Diesen Fall mit Stillschweigen zu begleiten ist der falsche Weg. Hürth braucht eine klare Haltung gegen Gewalt und eine faire politische Auseinandersetzung im Stadtrat. Unsere Demokratie lebt von diesen Werten.

Über Saleh Mati

Saleh Mati, geb. 1966 in Köln. Seit 1966 wohnhaft in Hürth. Mitglied im Stadtrat seit 2004 Alle Einträge von Saleh Mati

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