So kann es nicht weitergehen

von Saleh Mati am 24. Juli 2026

Eine Mutter aus Fischenich schildert beim Bürgerspaziergang ihre verzweifelte Lage mit dem Stadtbus

Auf dem Schulhof der Martinusschule startet der Bürgerspaziergang mit Bürgermeister Dirk Breuer. Noch bevor die Gruppe losgeht, erhebt eine Frau ihre Stimme. Aufgebracht schildert sie die täglichen Probleme ihres Sohnes. Er ist auf Bus und Bahn angewiesen, doch die Zuverlässigkeit des ÖPNV in Hürth Fischenich lässt ihn regelmäßig im Stich.

Ihr Sohn kann wegen einer Behinderung weder Auto noch Fahrrad nutzen. Für die Strecke in den Kölner Westen braucht er manchmal zweieinhalb Stunden. Die Linie 714 fällt oft aus, der Bus fährt nur stündlich. Deshalb nimmt er häufig den früheren Bus – doch auch der kommt nicht immer. Die digitalen Anzeigen melden Ausfälle oft erst zwanzig Minuten nach der geplanten Abfahrt. Dann wartet er auf den nächsten Bus. Auch die Stadtbahnlinie 18 ist unzuverlässig. So verliert der junge Mann viele Stunden seiner Freizeit, weil der ÖPNV nicht funktioniert.

Breuer hört aufmerksam zu. Die Häufung der Ausfälle irritiert ihn. „Wir werden Ihrem Problem nachgehen“, verspricht er. Doch für die Frau ist das kein Trost. Sie spürt keine Veränderung und fordert zu Recht eine Verbesserung des ÖPNV – und damit des Alltags ihres Sohnes.

Ein Satz, der hängen bleibt

Auf dem Weg zum nächsten Halt spricht ein Mitarbeiter der Stadtwerke die Frau an. „Montag und Freitag entscheiden sich die meisten, nicht zur Arbeit zu kommen“, sagt er. Der Satz klingt resigniert – gegenüber der Lage der Frau und den eigenen Kollegen. Sollte diese Einschätzung stimmen, offenbart sie ein gravierendes Personalproblem bei den Stadtwerken. Für die Bürgerin ist das keine Erklärung, sondern ein Hinweis darauf, dass sich die Situation kaum bessern wird. Für Verwaltung und Politik ist dieser Satz ein Weckruf.

Die Beschwerden über den ÖPNV sind kein Einzelfall. Bereits in Efferen klagte ein Bürger über Busausfälle und fehlende Hinweise auf den Anzeigetafeln. Dabei unterstützen Stadt und Bürger den ÖPNV bereits stark. Die Stadt investiert jährlich fast zwölf Millionen Euro in Bus und Bahn. Autofahrer warten geduldig an Schranken, damit die Stadtbahn freie Fahrt hat. Busse nutzen eigene Spuren und haben an Ampeln oft Vorrang. Viele Menschen nehmen längere Wartezeiten in Kauf, weil der ÖPNV bevorzugt wird. Diese Unterstützung zeigt: Die Erwartungen an Zuverlässigkeit sind berechtigt.

Gleichzeitig belastet das hohe Defizit des ÖPNV die Stadtwerke erheblich. Zwar sprechen sie nicht von einer Schieflage, doch bei jeder Haushaltsberatung wird die angespannte Lage spürbar.

Ein weiteres Problem trifft Haushalte ohne Deutschlandticket. Eine Fahrt für zwei Personen von Hürth zum Kölner Hauptbahnhof kostet hin und zurück sechzehn Euro. Viele überlegen zweimal, ob sie sich die Fahrt leisten können. Die SPD fordert zusätzliche Busverbindungen, und CDU, SPD, Grüne sowie FDP haben die Verlängerung der Linie 19 zum EKZ beschlossen. Doch die Stadtwerke stehen bereits jetzt unter enormem Druck. Wie soll ein erweitertes Angebot funktionieren, wenn das bestehende nicht zuverlässig läuft?

Ausblick

Der Stadtrat hat das Nahverkehrskonzept für die nächsten neun Jahre einstimmig verabschiedet. Nur die Freien Wähler enthielten sich. Das Konzept soll die Zukunft des ÖPNV in Hürth gestalten. Doch die Beschwerden der Frau aus Fischenich und des Bürgers aus Efferen zeigen: Die dringendste Aufgabe liegt nicht in neuen Linien oder erweiterten Fahrzeiten, sondern in der Verlässlichkeit des bestehenden Angebots.

Was meint Ihr? Wie sind Eure Erfahrungen mit Bahn und Bus in Hürth?

Über Saleh Mati

Saleh Mati, geb. 1966 in Köln. Seit 1966 wohnhaft in Hürth. Mitglied im Stadtrat seit 2004 Alle Einträge von Saleh Mati

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