Ein Bad voller Fragen
Warum das ehemalige Schwimmbad in Alt Hürth zum Prüfstein städtischer Verantwortung wird
Der Blick auf die mit Sperrholz vernagelten Fenster tut vielen Menschen weh. Das alte Schwimmbad in Alt Hürth, ein denkmalgeschütztes Gebäude aus den 1920er Jahren, steht seit Jahren leer. Das Unkraut wuchert vor dem Gebäude, wilde Sprühereien markieren den Verfall. Und doch hat das Haus für viele Hürtherinnen und Hürther eine sehr emotionale Bedeutung. Kindheitserinnerungen, Schulschwimmen, erste Sprünge vom 3 m Turm. Ein Ort, der einmal voller Leben war. Ein Ort, der Erinnerungen trägt. Heute wirkt der Ort wie ein eingefrorenes Versprechen.
Beim Rundgang durch Alt Hürth blieb die Gruppe vor dem Gebäude stehen. Zu dem Gespräch mit den Bürgerinnen und Bürger hatte Bürgermeister Dirk Breuer mit seinem Team aus Stadtverwaltung und Stadtwerken eingeladen. Dabei hält Dirk Breuer mit dem Ortsvorsteher von Alt Hürth, Herrn Michael Weber, Pläne in der Hand. Weiter sprach er über den Zustand und die lange Geschichte des Scheiterns. Einst verkauften Politik und Verwaltung das Schwimmbad für einen symbolischen Euro. Die Grundlage für die politische Entscheidung war die damalige Vorlage der Verwaltung, ein Gesundheitszentrum zu entwickeln. Ein Vertrag sollte die Stadt absichern. Er tat es nicht. Das Projekt wurde nie umgesetzt. Der Verfall begann. Ein jahrelanger Rechtsstreit folgte. Am Ende stand die Zwangsversteigerung. Die Stadt bot mit, blieb aber deutlich unter dem Höchstgebot. Damals berücksichtigte die Stadt die ideelle Bedeutung des Gebäudes nicht in ihrem Gebot. Ein neuer Investor erhielt den Zuschlag.
Zwischen Hoffnung und Ratlosigkeit
Seitdem ist wenig passiert. Zwar stellte die Stadt einen Bebauungsplan für das Umfeld auf, doch im Gebäude selbst bewegt sich nichts. Für viele Menschen wirkt das Schwimmbad inzwischen wie ein Mahnmal für verpasste Chancen in der Stadtentwicklung. Auch frühere Berichte des Kölner Stadt Anzeiger zeigen, wie lange das Gebäude bereits im Fokus öffentlicher Debatten steht.
Vor Ort erklärte Dirk Breuer: „Wir sind im Kontakt mit dem Investor.“ Er ergänzte: „Der Investor hat eine Bauvoranfrage gestellt.“ Das klingt nach Bewegung, doch sichtbar ist davon bislang nichts. Überraschend war eine weitere Aussage des Bürgermeisters: „Wir haben dem Eigentümer angeboten, das Gebäude zu erwerben.“
Doch diese Bemerkung wirft neue Fragen auf. Warum bot die Stadt bei der damaligen Zwangsversteigerung nicht höher? Ist sie nun bereit, deutlich mehr Geld in die Hand zu nehmen? Und vor allem: Kann sich Hürth leisten, ein denkmalgeschütztes Gebäude zu kaufen, dessen Sanierung viele Millionen Euro kosten dürfte? Hinzu kommen laufende Bewirtschaftungskosten, die dauerhaft im Haushalt zu verankern sind. Der Kauf eines denkmalgeschützten Gebäudes birgt erhebliche finanzielle Risiken. Hat die Stadt die Chancen und Risiken ausreichend kalkuliert?
Dirk Breuer lobte, dass der aktuelle Eigentümer seinen Sicherungspflichten nachkomme. Doch die Menschen vor Ort treibt etwas anderes um: Wird das Gebäude jemals saniert? Bleibt die historische Substanz erhalten? Oder steuert das Bad auf einen Zustand zu, in dem trotz Denkmalschutz nur noch der Abriss bleibt?
Ein Gebäude, das Haltung verlangt
Das Schwimmbad in Alt Hürth ist längst mehr als ein Bauwerk. Es ist ein emotionaler Ort, ein Stück Identität. Wenn die Stadt nun andeutet, das Gebäude zurückkaufen zu wollen, muss sie auch sagen, wie viel ihr dieser Ort wert ist. Klar ist: Mit dem Bad lässt sich kein Gewinn erzielen. Aber vielleicht geht es hier nicht um Gewinn, sondern um Verantwortung und Gefühle der Menschen in Hürth.
Am Ende bleibt ein Ausblick, der vorsichtig optimistisch klingt. Es gibt Gespräche, es gibt eine Bauvoranfrage, es gibt politischen Willen. Politik und Verwaltung müssen den weiteren Verfall des Schwimmbads verhindern, sonst verliert Hürth einen seiner schönsten Orte, Stück für Stück.
Die Frage ist nicht, ob das Bad bleibt, sondern ob Hürth bereit ist, dafür Verantwortung zu übernehmen