Bahnhofsideen im Wandel

von Saleh Mati am 18. Mai 2026

Wie ein Treffpunkt für Hermülheim entstehen könnte

Die SPD will im alten Bahnhofsgebäude einen offenen Treffpunkt schaffen. Doch bevor über Inhalte gesprochen wird, steht eine Frage im Raum, die alles entscheidet: Wem gehört das Gebäude eigentlich?

Als die SPD im Frühjahr ihren Haushaltsantrag für 2026 einbrachte, klang die Idee klar: 30.000 Euro soll die Stadt Hürth bereitstellen, um ein Konzept für einen offenen Treffpunkt im alten Bahnhofsgebäude Hermülheim zu entwickeln. Ein Ort, der Begegnung ermöglicht, konsumfrei ist und jungen Menschen wie auch Vereinen und Kulturinitiativen Raum bietet. Die Begründung im Antrag verweist auf den „zunehmenden Bedarf an zentral gelegenen, gut erreichbaren Aufenthaltsorten“ in Hürth, die bislang fehlen.

Im Antrag heißt es, das Gebäude biete aufgrund seiner Lage und Anbindung „ideale Voraussetzungen“ für einen solchen Ort.

In den Haushaltsberatungen betonte SPD‑Fraktionsvorsitzender Heiko Twellmann die besondere Lage des Gebäudes zwischen Köln, Bonn und Hürth. Er forderte Planungsmittel, um zu klären, wie die Stadt das Gebäude künftig nutzen werde und welche Erwartungen die Politik daran habe. Bürgermeister Dirk Breuer reagierte damals zurückhaltend. Er erinnerte daran, dass das Gebäude der Stadt noch nicht gehört und sich die Verwaltung in Verhandlungen mit dem Eigentümer befindet. Außerdem sei der Antrag möglicherweise „noch nicht abstimmungsfähig“, weil zunächst klar sein müsse, wofür die SPD die 30.000 Euro konkret einsetzen möchte.

Weiter verwies Bürgermeister Breuer in den Beratungen des Ausschusses für Finanzen auf das integrierte Stadtentwicklungskonzept ISEK hin, das kulturelle Impulse im Stadtteil vorsieht. Die Verwaltung wolle diese Ziele weiterhin umsetzen, sagte er. Gleichzeitig stellte er klar, dass politische Gremien auch ohne zusätzliche Mittel „mitreden und konzeptionelle Gedanken erarbeiten“ könnten. Der Ausschuss für Finanzen verwies den Antrag damals einstimmig zur weiteren Beratung in den Hauptausschuss.

Vom Planungsantrag zum Prüfantrag

Nun, im Mai, justierte die SPD im Hauptausschuss ihren Antrag nach. Statt eines Planungsauftrags legt sie nun einen Prüfantrag vor. Die Verwaltung soll untersuchen, ob und wie sie einen offenen Treffpunkt im Bahnhofsgebäude realisieren kann, sobald die Stadt das Gebäude erworben hat und der Bebauungsplan BPL 010 rechtskräftig ist. Der Treffpunkt soll „generationsübergreifende Nutzungen für Vereine sowie Musik- und Kulturinitiativen“ ermöglichen, heißt es im Änderungsantrag.

Die SPD bittet zudem im Hauptausschuss darum, den Prüfantrag wieder zu verweisen. Diesmal soll das Anliegen im Ausschuss für Kultur weiter beraten werden.

Wie geht es weiter?

Offen bleibt eine zentrale Frage: Diskutiert die Politik über ein Gebäude, das der Stadt bald gehören wird? Oder über ein Gebäude eines privaten Eigentümers? Erst wenn die Eigentumsfrage geklärt ist, kann über konkrete Planungen entschieden werden.

Mit dem Prüfantrag verschiebt sich die Debatte jedoch auf eine grundlegendere Ebene. Bevor unsere politischen Vertreter über Konzepte, Öffnungszeiten oder Zielgruppen sprechen, stellt sich die Frage, ob Hürth überhaupt einen zusätzlichen offenen Treffpunkt braucht. Welche Begegnungsorte hält die Stadt bereits vor, und wie nutzt sie derzeit diese Orte. Dazu kommt der Zustand des Gebäudes selbst. Das Bahnhofsgebäude ist marode, eine Sanierung dürfte mehrere Millionen Euro kosten. Zudem erfordert der spätere Betrieb vermutlich einen hohen sechsstelligen Betrag pro Jahr.

Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten muss die Politik klären, ob der Bedarf tatsächlich vorhanden ist und ob ein solcher Treffpunkt den Aufwand rechtfertigt. Zudem sind von der Verwaltung die finanziellen Folgen einer Sanierung und der tatsächliche Nutzen für die Stadt zu prüfen. Politik darf kein Wunschkonzert sein. Sie muss verantwortungsvoll mit dem Geld umgehen, das von den Menschen in unserer Stadt und in unserem Land kommt. Erst wenn diese Fragen beantwortet sind, kann die Politik entscheiden, ob das Bahnhofsgebäude der richtige Ort für einen neuen Treffpunkt ist.

Über Saleh Mati

Saleh Mati, geb. 1966 in Köln. Seit 1966 wohnhaft in Hürth. Mitglied im Stadtrat seit 2004 Alle Einträge von Saleh Mati

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