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„Wir fahren auf Sicht“ und Hürths Schulen zahlen den Preis

von Saleh Mati am 29. April 2026

Die Stadt Hürth plant erneut um: Container statt Neubau, Sanierung statt moderner Sporthalle. Zudem meint die Verwaltung mit diesem Schritt  nicht belastbar drei Millionen bei den notwendigen Bauten zu sparen. Die Beschlussvorlage zeigt, wie viele Fragen offenbleiben und wie wenig Orientierung die Verantwortlichen geben.

Ein Provisorium jagt das nächste

Die Verwaltung legte im Ausschuss für Planung ihre Pläne für das Albert‑Schweitzer‑Gymnasium vor. Zehn Klassenräume in einer zweigeschossigen Containeranlage, vier weitere durch Umnutzung im Bestand, später zusätzliche Räume im Bauteil B. So deckt unser Gebäudeamt den steigenden Raumbedarf ab dem Schuljahr 2026/27.

Doch Hürth besitzt bereits eine wachsende Sammlung solcher Containeranlagen: Wohncontainer für Geflüchtete, Schulcontainer für den Unterricht, Container für Übergangslösungen aller Art. Container wirken zunächst billiger, schneller und flexibler als solide Gebäude. Im Betrieb (Heizung) und Erhalt sind diese Anlagen jedoch keineswegs günstig. Zudem bieten sie keine gute Lernumgebung. Darüber hinaus sind die Containeranlagen von nur verminderter Nutzungsdauer. Aus ökologischen und nachhaltigen Gründen wäre eine andere Lösung wünschenswert. Nun kauft die Stadt die gebrauchte Anlage der Friedrich‑Ebert‑Realschule. Amtsleiter Christian Stähler begründete dies damit, dass sie „wesentlich günstiger“ sei als eine neue Containeranlage. Wie günstig genau, blieb in der Sitzung offen. Weiter bleibt offen, wie hoch die Kosten für den weiteren Betrieb der gebrauchten Containeranlagen sind

Unsicherheit in der Verwaltung, Zustimmung der Politik

Im Ausschuss für Planung, Umwelt und Verkehr zeigte sich erneut, wie unklar die Linie der Verwaltung ist. Christian Stähler erklärte, man „fahre auf Sicht“. Fritz Laser (Die Linke) griff das auf und fragte: „Wäre es nicht besser, die Sicht zu erweitern und dann zu fahren.“ Ein Satz, der den Kern des Problems trifft. Denn viele entscheidende Fragen konnte die Verwaltung nicht mit ausreichender Sicherheit beantworten:

Wie lange bleiben die Container?

Wie belastbar sind die Prognosen zur Schülerentwicklung?

Warum prüfte die Verwaltung die Wirtschaftlichkeit der Sporthallensanierung nicht eingehender?

Damit bleibt ein erhebliches Risiko bei der Schule. Die Politik hätte hier nachhaken müssen. Doch CDU, SPD und Grüne stützten die Verwaltung und stärkten mit ihrem Votum die Stadtspitze. Statt selbst Verantwortung für Sanierung oder Neubau der Sporthalle zu übernehmen, änderte die Ausschussmehrheit den Beschlussvorschlag so, dass die Entscheidung faktisch an die Verwaltung delegiert wird. Diese prüft nun die Wirtschaftlichkeit und wenn sie diese feststellt, wird saniert. Warum sich der Ausschuss die Berechnung nicht vorlegen lässt und anschließend selbst entscheidet, bleibt unklar. Gerade von der SPD als vermeintlicher Oppositionsfraktion hätte man mehr Kontrolle erwartet. Zudem dürfen die Bürgerinnen und Bürger erwarten, dass ihre Vertreterinnen und Vertreter diese Verantwortung nicht an die Verwaltung abgeben. Nach all diesen Unsicherheiten überrascht es kaum, dass auch beim Thema Sporthalle und Schulerweiterung ein plötzlicher Kurswechsel erfolgt.

Warum der Kurswechsel bei Schulerweiterung und Sporthalle?

Die Verwaltung schlägt vor, die Dreifach‑Sporthalle nicht abzureißen, sondern zu sanieren. In der Vorlage heißt es, das ursprünglich geplante ÖPP‑Modell sei „nicht mehr wirtschaftlich“. Diese Erkenntnis hätte jedoch längst vorliegen können, denn das Projekt Sporthallensanierung zieht sich über viele Jahre. Nun schlägt die Verwaltung vor, die Schulerweiterung vom Sporthallenkonzept zu entkoppeln, auch das hätte viele Monate früher geschehen können.

Der Schulleiter des ASG zeigte sich in der Sitzung „guten Mutes“. Doch die Frage bleibt: Wie bewertet er, dass ein Teil seiner Schülerinnen und Schüler künftig in Containern lernen soll? Die Vorlage macht deutlich, dass die Container auch für die energetische Sanierung benötigt werden, weil Klassen während der Bauarbeiten ausgelagert werden müssen.

Fazit: Viel Hoffnung, wenig Klarheit

Die engagierten Schülerinnen und Schüler des ASG verhinderten mit ihrem engagierten Einsatz, dass Verwaltung und Politik die Grünfläche an der Sudetenstraße bebauen lassen. Ob sie nun mit einer gebrauchten Containeranlage zufrieden sein werden, bleibt offen. Die Verwaltung wirkt unsicher, die politischen Gremien folgen ihr ohne kritische Tiefe, und zentrale Fragen bleiben unbeantwortet.

Hürth braucht mehr als Provisorien. Es braucht Planung, eine Vision und Verantwortung. Für die Kinder dieser Stadt.

Über Saleh Mati

Saleh Mati, geb. 1966 in Köln. Seit 1966 wohnhaft in Hürth. Mitglied im Stadtrat seit 2004 Alle Einträge von Saleh Mati

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