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Digitalisierung der Verwaltung: Viele Schritte, aber noch kein klarer Kurs

von Saleh Mati am 17. März 2026

Die Digitalisierung der Hürther Verwaltung kommt voran, doch zentrale Fragen bleiben offen. In der jüngsten Sitzung des Hauptausschusses wurde deutlich, wie viel Bewegung es gibt und wo Orientierung noch fehlt.

Die Verwaltung berichtete in einem rund 15 Minuten langen Vortrag zum Stand der Digitalisierung in unserer Stadt. Hendrick Fuchs von den Grünen begrüßte die Fortschritte bei der Digitalisierung ausdrücklich. Bei der Aussprache fragte er zu den Bürgerportalen nach. Die Verwaltung berichtete, dass ein externer Anbieter künftig für eine sichere technische Umsetzung sorgen soll. Die konkrete Ausgestaltung erfolgt in den kommenden Monaten gemeinsam mit der KDVZ. Gleichzeitig wollte der politische Vertreter der Grünen wissen, wie weit die Stadt bei den Formularen für die Bürgerinnen und Bürger ist. Außerdem wollte er wissen, ob PDFs heruntergeladen und per Mail verschickt werden müssen. Die Verwaltung erklärte, dass bei einigen Formularen bereits ein automatischer Workflow hinterlegt ist, der PDFs erzeugt. Im Kulturamt und im Bürgerhaus sei dies schon im Einsatz, langfristig sollen die PDFs jedoch verschwinden.

Fuchs stellte außerdem die Frage, ob sich die Verwaltung unabhängig von US Konzernen machen wolle. Die zuständigen Mitarbeiter konnten dazu wenig sagen. Bürgermeister Dirk Breuer sprang ein und schilderte die praktischen Hürden. Normale Diktierfunktionen in Office könne die Verwaltung aus Datenschutzgründen nicht nutzen. Auch KI Dienste wie ChatGPT könne die Verwaltung nicht einsetzen. „Das bringt uns nicht an die Spitze der Digitalisierung“, sagte Breuer. Die kommunale Anwendungslandschaft bewege sich, „nicht so schnell, aber sie kommt voran“.

Strategie gesucht: Wie werden Digitalprojekte ausgewählt

Nach den Fragen der Grünen rückte die SPD einen anderen Aspekt in den Mittelpunkt. Stephan Renner von der SPD richtete den Blick auf die grundsätzliche Frage, nach welchen Kriterien die Verwaltung Digitalisierungsprojekte überhaupt priorisiere. „Wie bemessen wir den Nutzen? Geht es um Kostensenkungen, um besseren Bürgerservice?“, fragte Renner. Der Bürgermeister machte deutlich, dass hierfür eine ergänzende Vorlage notwendig sei. Aktuell liege der Fokus auf der Einführung des Dokumentenmanagementsystems in den Fachämtern. Erst nach Abschluss dieses Projekts könne die strategische Planung weitergehen.

Renner hakte nach: Gibt es keinen Katalog, der die Vorgehensweise festlegt? Die Mitarbeiter erklärten, dass dies schwierig sei, weil sie sich eng mit den Fachämtern abstimmen müssten. Wenn etwa das Ordnungsamt eine größere Veranstaltung vorbereite und dort Personal gebunden sei, wolle man keine zusätzlichen Kräfte für Digitalisierungsprojekte abziehen.

Fazit: Richtige Fragen, kein klarer Kurs

Mein Eindruck aus der Sitzung: Hendrick Fuchs und Stephan Renner stellten genau die Fragen, die für eine erfolgreiche Digitalisierung in unserer Stadt wichtig sind. Wie weit ist das Bürgerportal wirklich? Wie wird der Datenschutz gewährleistet? Und wie digital sind die Formulare tatsächlich? Ebenso wichtig ist Renners Hinweis auf die fehlenden strategischen Kriterien. Kosten, Nutzen, Prioritäten, all das scheint in der Verwaltung noch nicht ausreichend definiert zu sein. Die Digitalisierung bewegt sich, aber ohne klaren Kompass bleibt unklar, wie schnell und wie zielgerichtet Hürth wirklich vorankommt.

Über Saleh Mati

Saleh Mati, geb. 1966 in Köln. Seit 1966 wohnhaft in Hürth. Mitglied im Stadtrat seit 2004 Alle Einträge von Saleh Mati

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