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Nach zehn Minuten war alles vorbei, zurück blieb vor allem Irritation über die fehlende Haushaltsdebatte

von Saleh Mati am 20. Januar 2026

Die erste Sitzung des Jugendhilfeausschusses im neuen Jahr sollte ein zentraler Moment der Haushaltsberatungen werden. Stattdessen blieb vor allem Verwunderung und Enttäuschung.

Der Jugendhilfeausschuss trat am 20. Januar 2026 zusammen, um den Haushaltsplanentwurf für den Bereich Jugendhilfe vorzubereiten. Die Aufgabe ist klar in § 5 Abs. 2 Punkt 4 der Satzung des Jugendamtes verankert. Die Verwaltung hatte den Haushaltsentwurf bereits Anfang November 2025 eingebracht, öffentlich einsehbar auf der städtischen Homepage. Damit standen die Zahlen allen Fraktionen über zwei Monate zur Verfügung, um sich einzuarbeiten, Rückmeldungen einzuholen und eigene Anträge vorzubereiten.

Umso irritierender war der Verlauf der Sitzung. CDU und Grüne brachten keine Anträge ein. Damit signalisierten sie ihre Zustimmung und Zufriedenheit mit dem Entwurf der Verwaltung. Die SPD legte zwar vier Anträge vor, jedoch erst am Tag der Sitzung. Für die übrigen Ausschussmitglieder war damit keine vernünftige Auseinandersetzung mit den Anträgen möglich. Besonders problematisch wirkt das gegenüber den vielen beratenden und fachkundigen Mitgliedern des Jugendhilfeausschusses, wie freien Trägern, Vertreterinnen und Vertretern der Schülerschaft sowie Fachkräften aus der Jugendhilfe. Ihr Input ist wertvoll und oft entscheidend für die Qualität der Entscheidungen des Gremiums. Doch so kurzfristig eingereichte Anträge lassen sich in diesem Rahmen schlicht nicht fachlich bewerten.

Ein Ablauf, der viele Fragen offenließ

Der Vorsitzende Thomas Klug reagierte deutlich. Er bat die SPD Fraktion darum, künftige Anträge rechtzeitig einzureichen, um eine echte Beratung zu ermöglichen. Gleichzeitig schlug er vor, die SPD-Anträge eine Woche später im Finanzausschuss zu behandeln. Ein pragmatischer Vorschlag, der jedoch nicht darüber hinwegtäuschte, wie unbefriedigend die Situation war.

Für Zuschauerinnen und Zuschauer im Saal stellte sich eine zentrale Frage: Wie ernst meint es die SPD-Fraktion mit ihren eigenen Anträgen?

Am Ende der Sitzung geschah etwas, das die Verwirrung noch verstärkte. Die SPD-Fraktionsmitglieder lehnten schließlich sogar ihre eigenen Anträge ab. Ein Vorgang, der den Zuschauer im Saal ratlos zurückließ. Denn wer den Haushaltsplanentwurf der Verwaltung inklusive Änderungsliste beschließt, akzeptiert automatisch, dass die eigenen Anträge unberücksichtigt bleiben. Aus Sicht der Öffentlichkeit wäre zumindest zu erwarten gewesen, dass die SPD den Beschluss ablehnt. Oder sie gibt zu Protokoll, dass die Ergebnisse der Beratungen im Finanzausschuss abzuwarten sind. Doch nichts davon geschah. Die Sitzung zu diesem Tagesordnungspunkt endete nach rund zehn Minuten. Damit war die Chance auf eine ernsthafte Auseinandersetzung über die Zukunft der Jugendarbeit in Hürth vertan.

Fazit und Ausblick

Die Sitzung hat offengelegt, wie wichtig sorgfältige Vorbereitung und transparente politische Arbeit sind. Die Jugendhilfe ist ein sensibler Bereich, der Kinder, Jugendliche, Familien und zahlreiche freie Träger betrifft. Dass die Haushaltsberatung ohne fachliche Diskussion und ohne erkennbare Prioritätensetzung ablief, hinterließ bei vielen Anwesenden Ratlosigkeit. Eine erkennbare Opposition oder alternative politische Linie zu CDU und Grünen war im Jugendhilfeausschuss nicht erkennbar.

Nun liegt es am Finanzausschuss, die vertagte Debatte nachzuholen. Die Bürgerinnen und Bürger dürfen hoffen, dass dort die inhaltliche Tiefe entsteht, die im Jugendhilfeausschuss ausgeblieben ist. Denn die Jugendhilfe verdient mehr als zehn Minuten.

Über Saleh Mati

Saleh Mati, geb. 1966 in Köln. Seit 1966 wohnhaft in Hürth. Mitglied im Stadtrat seit 2004 Alle Einträge von Saleh Mati

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