Ein Rundgang, der Fragen stellt
Zwischen Denkmalschutz, Spielplätzen und kommunalen Entscheidungen
Beim Bürgerspaziergang in Fischenich zeigt sich, wie eng private Verantwortung, Denkmalpflege und die Zukunft der Spielplätze zusammenhängen. Bürgermeister Dirk Breuer erklärt viel, doch einige Fragen bleiben offen.
Zwischen Hülsenbusch und Fronhof
Am Saal Hülsenbusch bleibt Breuer zuerst stehen. Ein Bürger fragt, wie es mit dem Gebäude weitergeht. Breuer sagt: „Das müssen wir den Eigentümer fragen.“ Er betont, dass die Stadt bei privaten Gebäuden die Rechte der Eigentümer beachten müsse. Die Gruppe stellt fest, dass unklar bleibt, wie sich der Zustand des Saals entwickeln wird.
Wenige Hundert Meter weiter steht der Fronhof, ein Gebäude aus dem Jahr 1770. Breuer erklärt, dass die Statik nicht mehr trägt und die Balkenkonstruktion verstärkt werden muss. Eine Stahlkonstruktion könne helfen, die Fassade sei weniger aufwendig. Ein Bürger sagt: „Gut, dass der Fronhof im Besitz der Stadt ist.“ Dahinter verbirgt sich vermutlich der Gedanke, dass der Fronhof im Eigentum der Stadt besser gesichert ist. Doch der Bürger hat ihn nicht ausgesprochen. Deshalb zeigen die fehlenden Worte wiederum die Grenze zwischen Hoffnung und den häufig angespannten Haushaltslagen unserer Kommunen.
Direkt vor dem Fronhof liegt der Spielplatz Am Kirchberg. Breuer sagt, dass 250000 Euro im Haushalt stehen und die Maßnahmen Ende 2026 beginnen sollen. Anfang 2027 soll weitergebaut werden.
Das Spielplatzflächenkonzept aus dem Jahr 2017 beschreibt den Kirchberg als gut ausgestattet, mit Bäumen, Schatten und neun Spielgeräten. Es bewertet den Platz mit hoher Bedeutung und nennt als Sofortmaßnahme lediglich eine Jugendbank für 1000 Euro. Der geschätzte Investitionsbedarf lag damals bei 5000 Euro. Das Konzept war eine sorgfältige Arbeit eines von der Verwaltung beauftragten Planungsbüros. Diese gute Arbeit sollte weiter die Grundlage für neue Entscheidungen zu unseren Spielplätzen sein.
In der aktuellen Beschlussvorlage für den Jugendhilfeausschuss heißt es: „Überplanung Spielplatz Am Kirchberg […] zu einem inklusiven und generationsübergreifenden Mittelpunktplatz. Geplante Gesamtkosten ca. 250000 Euro“ (Vorlage 178/2026). Die Planung startet 2026, die Umsetzung folgt 2027.
Einordnung: Was die Zahlen bedeuten
Die neue Summe von 250.000 Euro ist deutlich höher als die 5000 Euro aus dem Konzept. Das wirft Fragen auf. Welche zusätzlichen Maßnahmen plant die Verwaltung? Warum braucht ein Platz, der laut Konzept „gute Spielraumqualitäten“ hat, nun ein Viertelmillionen‑Projekt?
Auch beim Fronhof zeigt sich ein Spannungsfeld. Denkmalpflege ist wichtig, doch Projekte dieser Art können schnell sehr teuer werden und mehrere Millionen Euro kosten. In Zeiten steigender Baukosten stellt sich die Frage noch dringlicher, wie die Stadt Prioritäten setzt.
Beim Spaziergang fiel zudem auf, dass nur Ratsvertreter der CDU anwesend waren. Vertreter anderer Fraktionen fehlten, darunter auch die SPD als größte Oppositionsfraktion. Gerade solche Rundgänge bieten eine seltene Nähe zwischen Politik und Bürgern. Hier erzählen Menschen von ihren Problemen, hier zeigt sich, wo Verwaltung und Alltag aufeinandertreffen. Die geringe politische Präsenz wirft die Frage auf, ob alle Fraktionen diese Chance erkennen und ausreichend nutzen. Das schönste Wahlplakat, die besten Wahlversprechen ersetzt nicht den Kontakt zu den Menschen in unserer Stadt.
Wir sollten den Schatz Spielplatzflächenkonzept gemeinsam pflegen
Das Spielplatzflächenkonzept selbst verdient mehr Aufmerksamkeit. Es bietet klare Kriterien, beschreibt Stärken und Schwächen der Flächen und zeigt, wie Spielplätze zu Orten für alle Generationen werden können. Ich möchte mich bei Gelegenheit intensiver damit beschäftigen. Dabei würde ich mich freuen, wenn Sie meine Leserinnen und Lesern und ich dies gemeinsam erledigen. Bitte bringen Sie dabei Ihre eigenen Erfahrungen und Ideen mit ein. Das Konzept ist ein Schatz, der nicht in der Schublade liegen sollte.
Wie es weitergeht
Der Arbeitskreis Spielplätze ist vom Jugendhilfeausschuss eingesetzt und tagt nicht öffentlich. Dagegen stellt die Verwaltung die Ergebnisse der Pläne im Jugendhilfeausschuss vor. Dort wird sich zeigen, wie der neue Spielplatz Am Kirchberg aussehen soll und wie die Verwaltung die hohen Kosten begründet. Die Diskussion hat begonnen. Und sie wird Hürth wieder ein wenig verändern.