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Fahrradstraße mit Fragezeichen

von Saleh Mati am 1. Mai 2026

was der Komarhof wirklich verändert

Es sind nur ein paar neue Schilder, ein paar Piktogramme auf dem Asphalt. Und doch wird die Straße Zum Komarhof in Efferen gerade zum Symbol: für Fortschritt, für Verkehrswende, für politische Selbstdarstellung. Während in den sozialen Medien einige Parteien den Eindruck erwecken, die neue Fahrradstraße sei ihr persönlicher Verdienst, stellt sich eine einfache Frage: Wie viel verändert sich hier tatsächlich für den Radverkehr in Hürth?

Die Verwaltung beschreibt die Maßnahme in ihrer Beschlussvorlage als „kostengünstig und zeitnah umsetzbar“. Rund 2700 Euro für Markierungen und Schilder, ausgeführt von den Stadtwerken Hürth. Die Straße ist Teil einer größeren Radverbindung entlang der Linie 18, die die Stadt langfristig bis Köln und Brühl durchgängig ausbauen möchte. Eine Verkehrszählung vom März 2025 zeigt: 1400 Radfahrende täglich, dazu 2600 Autos, von denen viele nur den Rewe‑Parkplatz ansteuern. Aus Sicht der Verwaltung sind die Voraussetzungen für eine Fahrradstraße damit erfüllt.

Fortschritt oder nur ein Anstrich?

Doch bleibt die Frage: Reicht das? Die Verwaltung selbst betont, dass die Maßnahme nur ein Zwischenschritt ist. Die Engstellen bleiben, insbesondere an der Kaulardstraße und am schmalen Geh‑ und Radweg hinter dem Supermarkt. Auch die Grünen weisen auf ihrer Homepage darauf hin, dass der Übergang Richtung Köln „nicht optimal gelöst“ sei und es regelmäßig zu gefährlichen Situationen komme.

Die neue Fahrradstraße schafft Sichtbarkeit, ja. Sie schafft aber keine neuen Meter Platz, keine breiteren Wege, keine bauliche Sicherheit. Sie ist ein Signal. Zwar sind Signale wichtig, doch sie ersetzen keine Infrastruktur.

Auffällig ist, wie stark einige Parteien die Maßnahme politisch feiern. In manchen Posts entsteht der Eindruck, die Parteien hätten die Fahrradstraße nicht nur beschlossen, sondern gleich selbst geplant und gebaut. Dabei arbeitet die Verwaltung seit Jahren an der durchgehenden Radverbindung von Fischenich nach Köln. Und die Stadtwerke Hürth haben die Umsetzung trotz vermutlich vollem Arbeitsprogramm in diesem Jahr möglich gemacht. Wenn Dank ausgesprochen wird, dann zuerst an diese beiden Stellen.

Fazit und Ausblick

Die Fahrradstraße Zum Komarhof ist ein Schritt in die richtige Richtung. Ein sichtbarer, ein sinnvoller, ein notwendiger Schritt. Aber sie ist nicht das Ziel. Hürth wird erst dann wirklich fahrradfreundlich, wenn Engpässe beseitigt, Wege verbreitert, Querungen sicherer und Verbindungen durchgängig werden. Zudem wird Hürth langfristig nicht darum herumkommen, den Radverkehr klarer vom motorisierten Verkehr zu trennen, erst dann entsteht echte Sicherheit.

Die Frage ist also nicht, ob die Fahrradstraße gut ist. Sie ist gut. Die Frage ist, ob wir uns mit Symbolen zufriedengeben oder ob Hürth bereit ist, den Weg zur echten Fahrradstadt konsequent weiterzugehen.

Über Saleh Mati

Saleh Mati, geb. 1966 in Köln. Seit 1966 wohnhaft in Hürth. Mitglied im Stadtrat seit 2004 Alle Einträge von Saleh Mati

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